51. Vom Styl der Alchymisten und Ursprung
berichtigen muß. Wird das Werk nicht in vierzig Tagen nach Anzeige derFarbenvollendet; so muß es noch acht Monat im Feuer stehen: und wenn es denn nochnicht gerathen, noch fünfzehn Monate. Ist es in der Zeit noch nicht zur Dolkom-menhekt gediehen: so fängt man den ganzen Prozeß wieder von forne an. Auf dieArt kan sich der Liebhaber viele Jahre nach einander damit beschäftigen, bis er,wenn er vor sich leben kan, es überdrüßkg wird: wo nicht, so Hat er Hofnung,wegen Versäumnis der Zeit und seiner Geschäfte, indessen am Bettelstab zukommen.
Es ist noch die lezte Art von alchymischen Schriftstellern übrig, die aus allendiesen verschiedenen Schreibarten einen zusammen gemischten Dortrag Haben, denman gar nicht verstehen kan, wenn man sich nicht mit den vorhergehenden bekantgemacht hat. Zu diesen gehört Thurneisser: und wir werden bei Anführung seineralchymischen Schriften Gelegenheit haben, ihn ausführlicher zu beschreiben.
Vieleicht wird mancher Leser wünschen, daß man bei Anzeige einer jedenGattung der alchymischen Schreibart diejenigen Schriften, so dahin gehören,angeführt Hätte; allein deren Zahl ist zu groß, und sie würden den Raum gänzlichweggenommen Haben, der zu Thurneissers Leben bestirnt ist.
Durch die Hier angestelte Untersuchung vom Ursprünge der, dem Stein derWeisen fälschlich zugeschriebenen, Eigenschaften, bleibt ihm nichts übrig, als dieVerwandlung der geringern Metalle in Gold oder Silber; allein auch diese Kraftwird ihm von dem gelehrten und berümten Herrn Wiegle!) gänzlich abgesprochen,in dessen mit vieler Mühe ausgearbeiteten: Historisch kritischen Untersuchung derAlchymie, oder der eingebildeten Goldmacherkunst —und was von ihr zu haltensey *); wird so gar die Möglichkeit der Goldmacherkunst widerlegt. Die von ihmangeführte Verwandlungsgeschichte der Adepten werden zwar nicht volständkgerzählt, aber doch dezisiv beurteilt, da denn das algemeine Resultat so ausfalt: daß diebekantenAdepten, so die Verwandlung mit ihrer Tinktur oder Pulver verrichtet, sämt-lich Betrüger gewesen, zu welchen er auch den nachmaligen Baron Bötcher gesellet;obgleich weder dessen wahre Verwandlungsgeschichte, noch eine Beschreibung aller
Umstände
') Weimar 1777. 8vo.