^6 Thurneissers Vegröenheiken und Reisen
rükte heran, die Kaufleute forderten Geld oder ihre Waaren, und eine Noch undGeldausgabe kam im Hauswesen über die andere. Der Verdruß über die Schel-merei der Juden, die ihn so sehr vervorteilt und immer noch tiefer in Schuldengezogen hatten, brachte ihn auf den Einfal, gleiches mit gleichem zu vergelten. Erglaubte aus Unbesonnenheit und Leichtsinn, daß er eben so ungestraft betrügendürfte, als die Wieler Juden. Er nahm einen Zakn Blei, überzog ihn mit Golde *)und versezre ihn den Juden zu Wiel für reines und feines Gold, und ließ sich dieandern Pfänder zurük geben. Der Betrug blieb nicht lange verborgen: und dieJuden machten einen gräulichen Lärm. Sein Vater gab sich alle Mühe, sie zubesänftigen, und wendete über zweihundert Floren an, um die Schulden undZinsen zu bezalen, und die rechtliche Klage der Juden abzuwenden. Sie nahmendas Geld und lärmten noch weit ärger als vorher, um den Baseler Christen dieLust zu benehmen, künftig mehr einen Juden zu betrügen. Alles Unglük stürmtenun auf einmal auf Thurneissern los. Der Vater, bei dem er im Hause wohnte,seufzete über sein vergebens angewandtes Geld, und ließ es an väterlichen Vor,würfen nicht schien; die um so viel empfindlicher waren, da sie von einem Vaterherkamen, der nicht allein sein ganzes baares Vermögen an ihn gewendet, sondernsich noch in Schulden gesezt hatte, um ihm zu helfen, ohne seinen Zwek zu erreichen.Noch schlimmer war sein älterer Bruder Alexander, der ihm aus Misgunst und Neidalles mögliche Böse nachsagte, und seinen Unfall überall ausbreitete: damit der Vaternicht nötig Hätte, weiter für ihn zu bezalen, wie er bisher gethan, um die Sache ver-schwiegen zu Hatten. Am schlimften war seine Frau, die er als Witwe geheiratet, undbisher mitVorwürfen gequäkt hatte, daß siemit ihrem Vormunde, LorenzVlie, vorderVerehlichung zugehalten und es noch hielte. Diese fand nun eine Herrliche Gele,genheit, die angeschuldigte Untreue mit weit härtern Vorwürfen über den von ihmausgeübten Betrug reichlich zu erwiedern. Geldmangel, Verfolgung der Gläubiger,Furcht vor obrigkeitlicher Strafe, Eifersucht, Verlust der öffentlichen Ehre,Schande im Hause, väterliche Vorwürfe und hckmtükkische Streiche seines Bruders,
^ brachten
') Ausschreiben !> S. vm. «. f. Den volstandigen Titel dieses Buchs findet man §. XU.im Verzeichnisse von Thurneissers Schriften Nr. r i.