Heirat. ,6i
schlüsse». Sie war ungefähr dreißig Jahr alt, arm, ohne Erziehung, lüderlkch,mid zu einfältig, um ihre eigne Schande zu verschweigen. Er Hatte fünfzig Jahr,und war, nach dem Zeugnis seiner Frau, überal schwächlich, auch eifersüchtig und geld-geizig. Wenn nur der zehnte Teil von allen den Reden und Ausschweifungen wahrist, die er in seinem Ausschreiben von ihr anfürt: so war sie unbedachtsam, man«-kol und ohne alle äußerliche Ehrbarkeit; daher gleich, während und nach der Hochzeit,allerlei Mkshelligkekten unter ihnen entstunden. Doch etwas muß man ihr zu gutehalten. Die Sitten der damaligen Zeit, selbst unter den ehrlichen Schweizern,waren im Privatleben nicht so erbaulich, als uns die lieben und frommen Altengemeiniglich vorgebildet werden. Thurneisser schreibt aus der Fülle seines Herzens,ohne allen Rükhalt, gesteht seine eigene Sünde und daher könte man das übrigefast für Wahrheit annehmen. Er kam aus der Mark, wo es vielleicht noch ehrba-rer zuging, als in der Schweiz; deshalb fielen ihm einige Auftritte, wobei er derleidende Teil war, um so viel empfindlicher. Seine Fräulein Braut, Junker Her,brots Tochter, seine Hochzeitsgäste, seine Schwiegermutter, die ädle von Croaria,deren Vorfaren in Grafenstand erhoben worden; waren alle nicht aus den Hefendes Pöbels: und dennoch ist das, was er im Ausschreiben von ihnen allen anbringt,so beschaffen, daß es jezt, bei unsern beschrienen verderbten Sitten, wenigstens nichtso öffentlich geschehen würde.
Thurneisser, ob er gleich krank und sehr verdrüßlich war, folgte dem Befehldes Churfürsten, ging von Bafel den s.Januari;8i ab, kam den -.xsten zu Berlinan: und die Cßurfmstin Elisabeth, bei der er in sehr großen Gnaden stand, wurdeden zo. Januar r;8 l vom Prinz Christian, ihrem ersten Kinde, entbunden. Wie«r von Basel abreisete: so ließ er seine junge Frau und beide Töchter in Basel, undbrachte seinen Sohn Julius mit. Bei der Abreise gab er seiner Frau eine schrift-liche Jnstrukzion, wie sie sich verhalten, seine Sachen wahrnehmen und seine Töchterbeköstigen solte. Es fält auf, wenn man in derselben die Zeitordnung, die manehemals im Essen und in den Ruhestunden hielt, gewahr wird. Man aß des Tages
viermal,
«) Ausschreiben I. S. 67. II. 75. >) m S. z. 49.
I. S. ül.u.f. in. S.Z5.Z6.42. 6g. 81.82.83.98. ioz.