gegen den Regenten und den Staat. 385
Ihre Macht erſtrecket ſich freylich uͤber die Perſonenund Guͤter der Unterthanen, aber nicht Kraft einesEigenthums, ſondern vermoͤge der Beſorgung der
gemeinſchaftlichen Wohlfahrt, die man der oberſten
Gewalt anvertrauet hat*).
**) Da die Gruͤnde, die ich hier wider das dominiumeminens anfuͤhre, ſo offenbar ſind, daß ſie weiterden geringſten Zweifel nicht zulaſſen: ſo muß manſich allerdings wundern, daß dennoch die meiſtenLehrer der Politik und des Natur⸗ und Voͤlker⸗Rech-tes dieſes Obereigenthum des Staats annehmen.Allein, wenn man die Urſache nicht in der Schmei-cheley ſuchen muß: ſo liegt die Schuld vornehmlichan den unbeſtimmten Bedeutungen der Woͤrter,Staat und Republik, die zwar eigentlich nur vonder oberſten Gewalt und den Unterthanen zuſam-men gebrauchet werden ſollten, worunter man aberauch oͤfters die oberſte Gewalt allein verſteht, weilſie das Volk zugleich mit vorſtellet.
§. 371.
Wenn man nun ſolchergeſtalt weiß, worauf diePflicht der Treue hauptſaͤchlich ankoͤmmt, welche dieUnterthanen der oberſten Gewalt zu leiſten ſchuldigſind; ſo wird man auch das entgegen geſetzte Ver-brechen der Untreue und die verſchiedenen Arten deſ-ſelben deſto beſſer beurtheilen koͤnnen. Nach demobigen Begriffe von der Untreue(§. 360.)gieht es vor-nehmlich dreyerley Arten derſelben, naͤmlich 1) wenndurch die ſchaͤdlichen Unternehmungen eines Unter-thanes die aͤußerliche Sicherheit geſtoͤret werdenkann, 2) wenn die innerliche Sicherheit dadurch le det,und 3) wenn die Perſon des Regenten oder dererje-nigen, welche an der oberſten Gewalt Antheil haben,beleidiget, und die derſelben gebuͤhrende Ehrfurchtaußer Augen geſetzetwird. Alle drey Arten muͤſſen al-lerdings als die wichtigſten Verbrechen angeſehen
Staatsw. J. Th. Bb wer-
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Es giebt votenehmlich drey-erley Arten derUntreue.