27 ?
Dermalen mag sie ohngefähr aus ioooo Bänden bestehen, die aufder obersten Etage des dortigen schönen Rathhauses in drey Zimmernausgestellt sind. Alljährlich wird sie durch Ankauf neuer Bücher, bis-weilen durch Geschenke oder Vermächtnisse vermehrt. Die Quellenfür den Ankauf sind: die Interessen eines, zwar nicht fehr bedeuten-den, Fonds, Einstandsgelder, Neujahrsgeschenke und Ehrengaben beyBeförderungen. Ein jeder Stadtbürger nämlich kann sich mit einemneuen Thaler auf Zeitlebens einkaufen, und erhält dadurch die Befug-niß, alle Sonntage einen Band zum Lesen abholen lassen zu können»Am Neujahrstage schenkt man 4 — 8 Bähen, Bemittelte i6 Bähen,und mehr, und erhalt dafür einen Kupferstich zum Neujahrgeschenk,worin meist ein merkwürdiger Gegenstand aus der Schweizergeschichtekurz erzählt wird. Im Jahr 1663 fing man an, diese sogenann-ten Neujahrskupfer herauszugeben, deren vollständige Sammlung sehrselten geworden.
Die Bibliothek enthält eine beträchtliche Sammlung seltener undkostbarer Ausgaben griechischer und lateinischer Klassiker, eine ziemlichvollständige Sammlung der schönsten Editionen italienischer Dichter(diese aus der Büchersammlung des verstorbenen Herrn StadlschreiberSulzer) seltene Bibelausgaben und andere alte Drucke. Ueberhauptaber ist sie mehr zum Gebrauche als zum Prunk eingerichtet, und ent-halt daher mehr nützliche als kostbare Werke.
Merkwürdig ist auch noch das auf der Bibliothek befindliche ziem-lich reiche Münzkabiner, welches größtemheils in einer nicht unbeträcht-lichen Sammlung von imperatorischen und Familienmünzen besteht,auch mehrere sehr seltene griechische besiht. Dabey befindet sich nocheine Sammlung alter schweizerischer Münzen und Medaillen. DiesesCabinet hat seine Entstehung auch meistens den Geschenken von Win-terthurer Bürgern zu verdanken < und sein Wachsthum der beträchtli-chen Anzahl alter Münzen, die in der Gegend von Winterthur gefun-den worden, und jetzt noch zu Zeiten entdeckt werden.
Im großen Saale der Bibliothek sind die Porträts sämmtlicherSchultheißen , von der Stiftung der Bibliothek an, aufgehängt, inderen Mitte sich das sehr schöne Bild des berühmten Pros. Sulzersaus Berlin auszeichnet, welches der geschickte Maler Graf seiner Va-terstadt zum Andenken geschenkt hat. Endlich besiht die Bibliothek nochein von Hrn. Hofrath Elais dahin geschenktes Cabinett der Würtem-bergischen Holzarten, welches in Bücherform Holz, Rinde, Blüthen,glatter, Flechten, Infekten u. a. m. die an dem Baume anzutreffensind, enthält. Mehrere Privat-Sammlungen von Natur- und Kunst-