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Lise und Salome die beiden Webermädchen : eine Erzählung aus dem Volksleben / von Jakob Stutz
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Wie wir bereits wissen, sind Salomelis Eltern arm,Liselis wohlhabend. Da wäre der erste Gedanke: Lise müßtean Körper und Geist unstreitig mehr gewonnen haben alsSalomeli. Es dürfte so sein, wenn bei äußern, glücklichernVerhältnissen Hiebei nicht noch etwas gar Wichtiges erfor-derlich wäre, nämlich: ein gutes Herz und guterVerstand. Und wo diese fehlen, da fehlt ein großes Ka-pital, das reichliche Zinsen tragen würde.

Zweites Kapitel.

> Wie oft von Eltern selbst böse Eigenschaften der

! Kinder genährt und gepflegt werden.

Als Salomeli nach Hause gekommen war, mußte es,! nach alter Sitte, den Eltern aufsagen. Es war bis in die^ Zeugnisse vorgerückt und las nun geläufig unter Anderm denl Vers: Ich aber sage euch: Liebet euere Feinde, segnet, die1 euch fluchen, thut Gutes denen, die euch hassen, und bittet1 für die, welche euch beleidigen und verfolgen.

Aber mitten im Lesen stockte des Kindes Stimme und! es fing an zu weinen.

:Ei, was fehlt dir?" fragten Vater und Mutter

verwundert.Hast du etwa nicht recht gethan und hat dichder Schulmeister müssen strafen? Dann wäre dir ganzi recht geschehen. Wir sagen dir ja immer, du sollest brav

> sein und dem Schulmeister folgen. Sage nur gleich, warumI du weinest; aber hörst du, lüg nicht!"

Und Salomeli erzählte treu und aufrichtig die Ursacheihrer Thränen.

Da wollte es den Eltern recht wehe thun und der Va-ter vermochte sich kaum zu überwinden, um nicht laut, imAngesichte des Kindes, über den Schulmeister und Life zuschimpfen; denn er meinte, es sei ja nicht ihre Schuld, daß^ sie so arm sein müssen, demnach hätte der Schulmeister un-vartheiisch handeln sollen. Lise sei ohnedieß jetzt schon recht