Dritte Unterredung: 701
ten ihn zwar, aber ohne Anmuth/ mit un-veraͤnderlichem Schallen. Diejenige, ſoſtarck ausfuͤllen, poltern gerne oder bruͤllen;Die Hellklingende heulen, oder uͤber ſchrey-en alles; Ihre Fehler ſind nur alsdennweniger mercklich, wenn man viele zugleichhoͤret. Hingegen eine ſchoͤne Stimme haͤltihren Thon, ſo lange ſie will; ſie ſchwaͤ-chet ihn allgemach, oder giebt ihm mehrStaͤrcke; ſie verbindet ihn unvermerckt mitden folgenden Thonen oder beruͤcket dasOhr durch einen unerwarteten Fall. IhrKlang iſt nicht nur lieblich; er entzuͤcket;er hat ſeines gleichen nicht. Benebſt demVergnuͤgen, ſo er dem Gehoͤre erweckt, unddeſſen Urſache der Vernunfft unerforſchlichiſt/ hat er auch ganz alleine die Krafft bißins Herze durchzudringen, weil nur er al-leine faͤhig iſt alles, was demſelben Sehn-ſucht und Vergnuͤgen„ Quaal und Luſtempfinden laͤſſet/ lebendig vorzuſtellen. Inder That iſt auch ſonſt kein lebendiger Klang.Doch, man betrachte entweder die praͤch-tige Ubereinſtimmung, welche aus der Ver-bindung vieler Stimmen und unterſchiede-ner Thone entſpringet; oder man bewun-dere die ſanffte Wuͤrkungen der Melodie,welche durch bloſſe Abwechslung des Klan-ges und ſeiner Geſchwindigkelt uns denNachdruck der Worte und die Regungendes Herzens vorbildet: So muß doch dieſer
G 3 Ge-
DieHerr-ſchaft
desMen-ſchen.