Achter Theil. 63
eben dieſelbige Religion, welche man das in des
Geſetz der Natur nennet, ſich in ihrer aͤuf⸗ Menſchen
ſerlichen Ausüdung, niemahls nach dem Wikuͤhr.
menſchlichen Eigenduͤnkel, oder nach ſeinemm
veraͤnderlichen Elgenſinne gerichtet habe.
Der Urheber der Natur hatte die Gruͤnde
davon in das Gewiſſen gelegt: Daher
konnte es niemand unbekannt ſeyn, und
man nennet es mit allem Rechte ein natuͤr-
liches Geſetz, darum weil jedweder Ver-
ſtand, Krafft ſeiner Natur, begreifet, es ſey
hoͤchſt billich, unſern Urheber zu ehren, und
unſers gleichen zu lieben. Alleine, da das
eigene Belieben eines jeden, entweder zuſe-
tzen oder weglaſſen konnte, ſo wurde gleich
anfaͤnglich eine Ordnung wegen der aͤuſſer-
lichen Verehrung gemacht. Indem Adam
und Noah ihren Kindern die Zeit der GOt-
tesdienſtlichen Verſammlungen feſte ſetz-
ten; eine Regel wegen der Opfer, der Erſt-
linge, der gemeinſchafftlichen Mahlzeiten,
und Leichen⸗Begaͤngniſſe vorſchrieben, ſo
uͤberlieferten ſie ſhrer Nachkommenſchafft
zugleich auch gewiſſe Lehren, die mit den
Gebraͤuchen unzertrennlich verknuͤpfet wa-
ren. Die Gebraͤuche hatten ihre Bedeu-
tung und redeten von ſelbſt. Sie waren
eine oͤffentliche und unaufhoͤr liche Predigt,
woraus jedweder, wenn er nur Achtung ge-
ben wolte, ohne Muͤhe und Zeltverluſt ver-
ſtehen konnte, man muͤſſe denjenigen preiſen,a von