426 Schau⸗ Platz der Natur.
———Weitlaͤufftigkeiten, ſubtlle Schluͤße undUmſchreſbungen muſte man da nicht durch-gehen, biß man endlich auf eine Wahrheltkam, die noch dazu gar offt weiter nichts be-ſonderes war. IeEſus ſahe wohl ein, dieje-nige Religion, welche alle Menſchen ver-einigen und jedermann zum Guten bewegenſolte, muſte auch jedermann begreifſichſeyn. Daher blieb er mit groſſer Überle-gung bey der Regel von der doppelten Lie-he, welche die ganze Aufführung des Men-chen In ſich begreifet, und keinem einigenGemuͤthe zu hoch faͤllet.
Erwaͤget man wie ſchoͤn, wie unge-zwungen ſeine Sittenlehre ſey; wie geſchickt,wie uneigennuͤzig und beherzt er ſich aufge-fuͤhret habe, ſo muß man bekennen, dasEvangelium ſey eine Unternehmung, dle inkein anderes, als ein erhabenes Herz fallenkonnte. Allein mit dem allen iſt ſie doch ſsbeſchaffen, daß ſie die Geſchlcklichkeit einesunerſchrockenen Weltweiſens keineswe-ee uͤberſchreitet, der mit einem andern gut-herzigen Menſchen Abrede genommen hat:
und gleich wie die Abſicht desjenigen, der ſichvor den Meſſtas ausgab, keine andere war;als ſich in den Tod zu ſtuͤrzen, um die Ge-muͤther deſto ſtaͤrker zu bewegen, alſo konnteer auch dieſen Tod durch ſeinen Vorlaͤuferganz wohl vorher verkuͤndigen laſſen.