Handlungsgeschichte überhaupt. 9
Vergnügen lesen. Wenn man solchergestalt bis aufden ersten Ursprung einer Kunst'zurückgeht, so mußman mit Verwunderung sehen, wie ungeyicin geringund verächtlich sie oft gewesen, wie sie aber durchFleiß und Nachdenken zu einer bewundernswürdi-gen Hohe gestiegen, und so allgemein nützlich ge-worden, daß itzt ganze Länder ihre Nahrung davonhaben. Wer sollte sich wohl bey dem ersten An-blicke vorstellen, daß aus einer so groben in der Er-de verborgen siegenden Materie die kostbarsten undnützlichsten Metalle, Gold, Silber,'Kupfer, Eisenu.a.m. woraus nachher die feinsten und, schönstenArbeiten verfertiget werden, sollten hervorgezogenwerden können ? Wer sollte wohl glauben, wenn erdas erstemal Wolle, Flachs, des Seidenwurms Ge-spinnst u. d. gl. sieht, daß daraus so vielerley Artenvon schönem Tuche, Leinwand und Zeugen, als manin unsern Zeiten findet, sollten können verfertigetwerden, deren Verfertigung und Handlung, welchedamit getrieben wird, Millionen Menschen nichtallein ernähret, sondern auch sie und das Allgemeinebereichert? Solche Betrachtungen können uns auchgewöhnen, dankbarere Urtheile von gewissen Kün-sten und ihren Erfindungen zu fällen; denn vielewerden verachtet, bloß weil sie so allgemein ge-bräuchlich, und nichts destoweniger uns höchstnöthig,ja unentbehrlich sind. So bald wir aber diese Kün-ste in ihrer Kindheit betrachten, und gewahr wer-den, wie viele Jahrhunderte Vorbeygehen mußten,ehe sie einige Vollkommenheit erlangeten, so lernenwir ihren wahren Werth kennen.
Az §.8.