Buch 
August Ludwig Schlözers Versuch einer allgemeinen Geschichte der Handlung und Seefahrt in den ältesten Zeiten / August Ludwig Schlözer
Entstehung
Seite
20
JPEG-Download
 

20

Das II. Capitel.

§. ?.

Dle Weisheit Gottes thut nichts durch überna-türliche Mittel, was sie durch gewöhnliche hervor-bringen kann. Die Menschen zum Handel anzu-gewöhnen, wurde kein unmittelbarer göttlicher Trieboder Befehl erfodert. Sie verfielen durch einennatürlichen Trieb auf denselben. Nothwendigkeitenerzeugeten den Handel, Begierden erzogen ihn, undGeiz und Wollust macheten ihn vollkommen. Sowie die Neigungen der Menschen in allem unendlichverschieden sind, so waren sie es auch bey der Wahleiner Handthierung. Cain war ein Ackersmann,Abel ein Hirte, und Tubalcam ein Schmied.Nun brauchten die Ackersleuce Milch und Fleischzur Nahrung, und Felle zur Kleidung. Die Hirtenhatten Brodt und Früchte vonnöthen; die Schmie-de beydes. Allein die andern beyden mußten auchWaffen zur Vertheidigung, und Werkzeuge zumAckerbau und Hausbau haben. Sie tauschten alsomit einander, und erseßeten wechselöweise ihren Man-gel. Solchergestalt war bereits unter den allerer-sten Menschen eine Art von Handlung.

§. 8 . >

Dieser Tauschhandel pflanzte sich mit dem mensch-lichen Geschlechte fort, und vermehrte sich so, wiedie Nothdurft desselben zunahm, und besonders durchdie Erfindung neuer Künste. Dann durch die Er-findungen vermehreten sich die Begierden, zu derenVergnügung man wieder neue Künste erdachte, undeine Kunst brachte die andere hervor. Dazu ka-men