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28. Buch. Heinrich der Vierte.
1589 ehemaligen Hauptes der Ligne, war gleich bey der Hinrichtung seines Vaters in Ver-wahrung genommen worden, und ob er gleich noch sehr jung war, so bewachte man ihndoch sorgfältig im Schlöffe zu Tours. Seine jüngern Brüder waren noch Kinder.Mayeune von Natur gemäßigt in seinen Entwürfen und Leidenschaften, war geboren,ein guter Bürger lind treuer Unterthan zu seyn, lind ward durch den Zusammenflußder gröstentheils im vorigen Brich erwähnten Umstände der Anführer der Rebellen.Alle die um ihn waren, begeisterten ihn zu Unruhen und Empörungen. SeineMutter forderte ihre zu Blois getödteten Söhne von ihm; die Wittwe des Herzog-Heinrich schrie um Rache wegen des Bluts ihres Gemahls; seine Schwester, die ra-sende Herzogin von Montpensrer, schnaubte noch heftiger, und war' nicht blos mitdem Mord Heinrichs des Dritten zufrieden, sondern wollte alle Royalisten die Wir-kung des Haffes, der sie gegen ihr Oberhaupt beseelte, empsinden lassen. Alle Liguistenbeschwuren den Herzog, sie nicht der Gnade oder Ungnade eines ketzerischen Königs zuüberlassen. Auch minder beherzte Personen erlangten durch diese Gelegenheit kriegeri-sche Gesinnungen; ganz Paris war in Waffen; in den Provinzen geschahen Werbun-gen mit dem glücklichsten Erfolg. Der spanische Gesandte, Don Bernardm vonLNendoza, bot dem Herzog von Mayenne die Schatze und Heere seines Herrn an.'Alles flößte ihm Hoffnungen und Beweggründe ein, den Vorschlagen, die ihm Hein-rich der Vierte gleich nach dem Tode Heinrichs des Dritten unter der Hand an-bieten ließ, kein Gehör zu geben. Ieanmn, Parlamentsprasident von Burgund, einMann von grossem Verstand und unverbrüchlicher Treue gegen das Haus Güise, gabdamals dem Herzog von Mayenne einen Rath, dessen Vollführung den neuen Königin nicht geringe Verlegenheit würde gebracht haben; nemlich, die Prinzen, die PairS,und die vornehmsten Kronbedienten von den beiden Armeen aufzurufen, alsdenn Hein-richen zur Veränderung seiner Religion aufzufordern, und ihn im Weigerungsfall sei-ner Thronrechte verlustig zu erklären. Mayenne fand jedoch keinen Geschmack a«diesem Vorschlag, weil er vielmehr befürchtete, die Royalisten möchten die andern gewin-nen, und er sich dadurch selbst verlassen sehen.. Einige schlugen ihm auch vor, den Thronselbst zu besteigen: dies gesiel ihm aber noch weniger. Allein dafür ließ er den altenDer,Kardinal Kardinal von Bourbon, der damals ein Gefangener seines Neffen Heinrichs des^ Vierten war, unter dem Namen Aarl der Zehnte zum König ausrufen; und erder Ligue zum selbst nahm den Titel eines Generalstatthalters des Königreichs an. Hierauf eilte er inKönig ausge.- die Niederlande, um mit dem dortigen spanischen Statthalter, Herzog Alexander vonrufen. Parma, die künftigen Unternehmungen zu verabreden; und dann zog er nach seinerAm 7. August Rückkunft, zu Ende des Augusts, mit 25000 Mann aus Paris, um, wie er öffentlichbekannt machen ließ, den Bearner zu fangen.
Heinrich der Vierte hatte bey der Theilung seines Heers nur ohngesähr7000 Mann bey sich behalten. Niemand vermuthete, daß er sich mit so wenig Trup-pen gegen dieMacht der Ligue würde halten können: dennoch verzweifelte der Monarchnicht, sondern verschanzte sich bey Dieppe, am äussersten Ende der Landschaft Caux, inHoffnung, daß die Engländer und die aus der Picardie und aus Champagne zurückbe-rufenen Truppen bald zu ihm siofsen würden, und im Vertrauen auf die Gerechtigkeitseiner Sache glaubte er in dieser Stellung die ersten Anfalle des Feindes aushalten zukönnen. Langsam zog die Ligue einher, lind erschien erst in der Mitte des Septembers