Band 
Neun und dreyssigster Theil.
Seite
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ZO. Buch. Ludwig der Vierzehnte.

*643 und die Anhänger des Kardinals Richelieu, die ihn für ihre Stütze ansahen, ^ten ihm aus allen Kräften. Kurz, die schlsuesten Hofleute, welche die grosse Nei-der Königin gegen ihn kannten, machten sich ein Verdienst daraus, ihr nach ^Neigung zu rathen; und sie selbst stellte sich, als wenn sie nur dem Rath dieserund »«parteyischen Personen folgte, Lfllazarmi verfuhr dabey sehr vorsichtig.stellte er sich reisefertig, und gab vor, er würde nach Rom gehen, sobald er der^nigin Regentin die Geheimnisse der auswärtigen Angelegenheiten , die er nach Rls».lieu's Tod allein besorgt hattewürde mitgetheilt haben. Man wunderte sich also üseine Unterredungen mit der Königin gar nicht, und sein demüthiges BetragenZmMtanten. sachte, daß man ihn nicht fürchtete. Daher merkten auch die Imporranteu ^chen Namen der Prinz von Londe der Partey des Hauses Vendome gab— die^flwalt des Kardinal über Annens Gemüth zu spät. Sie würden ihn leicht in den 'sten Tagen der Regentschaft, da er noch ungewiß wankte, an sich haben ziehen könNch'ja, er hatte sich selbst um ihre Gunst beworben: allein, ihr blinder Haß gegen alles,den Kardinal Richelieu nur einigermassen angieng, und der Wahn von ihrer Ezmacht bey der Königin, machten sie unbiegsam. Bald genug fanden sie Ursache, ^zu bereuen. ^

Die Unterredungen des Kardinals mit der Königin betrafen mehr die iru'ss,chen als auswärtigen Reichsgeschäfte. Die erste Würkung derselben war, daß die^gentin beschloß, wider ihren ersten Vorsah, Richelieu'» Familie nicht zu drä^j,Mazarini stellte ihr vor, daß dieses Haus, da es keinen andern Schuh, als den ^gen, hätte, ihr mit fester Treue zugethan bleiben würde, und daß es einem Oberh^.unanständig sey, aus Rachbegierde zu handeln, oder gar das Werkzeug der Rach^,zderer zu werden. Dies war der Rath sowohl eines grossen Ministers, als auch ^Mannes von Ehre, dessen vornehmste Tugend die Dankbarkeit ist. MazaristÄpflichtete sich dadurch diejenigen, deren Untergang er hinderte. Auf der andernkonnte er leicht aus dem stürmischen Charakter der Jmportanten vermuthen, daßsich über die zernichtete Hoffnung, die Beute des Hauses Richelieu zu theilen,beklagen und dadurch die Königin aufbringen würden. Doch zvar Mazarini nE. ^allen Fällen so erkenntlich. Er widersetzte sich der Ungnade des Staatssekretärs ^Vigni nicht, ob er ihm gleich viele Verbindlichkeit schuldig war und ihm zu dienen^sprechen hatte. Den Kanzler Seguier konnte auch weder die Königin noch derdinal leiden: dennoch befestigte ihn dieser in seiner Würde, weil sonst der ehens^Siegelbewahrer Lhateauueuf, ein Anbeter der Herzogin von Lhevreuse und ei"ihn gefährlicher Mann, vielleicht die Siegel wieder erlangt haben würde. ^

Die guren Gesinnungen der Regentin gegen Richelieu» Verwandte und ^Hänger, thaten die von Mazarini vorhergesehene Würkung. Die Personen, ^Habsucht sich getäuscht fand, beschwerten sich darüber mit Bitterkeit, und mucrt^vfentlich über ihre Königin, die sie aber dafür fühlen ließ, daß sie zu gebieten habe, ^ !daß sie ihrer entbehren könne. Hierzu kamen noch verschiedene DanrenzänkereyeU/ .„1in der Eifersucht ihren Grund hatten und die Erbitterung vermehrten. Dievon Mombazon, die auf der Seite der Jmportanten war und von Beaufort^.ili/wurde, bewies bey einer gewissen Gelegenheit so wenig Ehrerbietung gegen die K"" ^daß sie ihr des andern Tags befehlen ließ, sich auf eines ihrer Landgüter zu begebet