Band 
Neun und dreyssigster Theil.
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ZO. Buch. Ludwig der Vierzehnte.

Dieser von der Prinzessin von der Pfalz (*) entworfene und von Getwi^und Lismie eingeleitete Vergleich ward so weit getrieben, als möglich, ohne ^ iSchluß zu kommen; und da es die Königin damit nicht ernstlich meynte, sondern"' !den Prinzen hinzuhalten und ihn bey den Schleuderern verdächtig zu machen st>^'^so stellte sie sich, als wenn sie ihm noch mehr Vortheile bewilligen wollte. UndPrinz, der zu seiner Sicherheit nicht mehr wünschen konnte, bedachte sich nunweiter über der Annahme der Bedingungen: aber alsdann eben zögerte die Königin st.dem Schluß, unter mancherley Verwänden, vorzüglich weil man dem Grafen st.,Alets das Gouvernement der Provence nicht ohne hinreichende Schadloshaltung '.st-,men könnte, diese aber sehr schwer zu finden wäre. Zu gleicher Zeit ließ die Köst^unter der Hand dem Koadjutor Nachricht von diesem Vertrag geben. Dieserohnehin schon einen heftigen Argwohn gegen die Aufrichtigkeit des Prinzen, wegenfolgenden zum Vortheil des Hofs gethanen Schrittes.

Es wurde damahls zu Paris eine Zusammenkunft des Adels gehalten, ansen Spitze der Herzog von Nemours und andere grosse Herren standen, die sich ststeinigt hatten, die Wiederherstellung ihrer durch die bisherige Staatsverwaltung vctsts,nen Vorrechte zu verlangen. Ihre erste im Hotel la Vieuville gehaltene Versammlung ^te den Hof so sehr beunruhigt, daß er die Wachen im königlichen Pallast verdöst'.ließ. Während der Gefangenschaft der Prinzen waren sie mehrmahls zusammengehstmen, und hatten in Gemeinschaft mit den Schleuderern auf deren Loslassung ged^,gen, und setzt, da diese ertrotzt war, hielten sie es noch mit der Fronde. Siereu daher fort, sich zu versammle», bald unter dem Vorwand ihrer Privilegien, ^wegen verschiedener Misbräuche, denen, wie sie sagten, nicht anders abgeholfen'^den könnte, als durch eine Versammlung der Reichsstande. Diese Forderung berststhigte die Königin, und den Kardinal noch mehr; denn es war augenscheinlich, d<st^einer solchen Versammlung Maasregeln genommen werden konnten, dieWiederherstellung sehr erschweren musten. Während der eben erwähnten Unterst §lung mit dem Prinzen wüste die Königin den Herzog von Orleans und denvon L-nde dahin zu bringen, daß sie sich entschlossen, jene Herren zu zerstreuen-^,begaben sich zu den Franeiscanern, wo sie seit einiger Zeit ihre Versammlungen hst ^und stellten ihnen vor, daß der Hof ihre guten Absichten billige und vielleicht mest/sie selbst wünsche, daß die Misbräuche, über die sie sich beschwerten, abgeschafft ^den möchten; daß er einen allgemeinen Reichstag für das kräftigste hierzu taEstMittel halte; daß aber die gegenwärtige Lage der Umstände die Versammlung dst!^,nicht gestatte: dafür verspräche die Königin, ihn gleich nach der Volljährigkeit des stnigs, also längstens nach einem halber, Jahr, halten zu lassen. Auf diesen vekst^o«fthcn Vortrag antworteten verschiedene Herren mit viel Nachdruck und Würde,raus man sehen konnte, daß sie so leicht nicht zu hintergehen waren: weil aber d>^ ^sten gewonnen waren, so liessen sich die übrigen durch das Ansehn des Prinzen F!reisten. Die Mehrheit der Stimmen bewürkte die EndiguNg der Zusammen»" ^aber das Ansehn des Prinzen litte darunter nicht wenig. Der Koadjutor wüstestdurch noch aufmerksamer gemacht: um sich aber von den Gesinnungen des ^

(*) Weil sie mit dem pfälzischen Prinzen Eduard, Sohn des unglücklichen Kurfürstendes fünften, vermählt war; vorher hieß sie Prinzessin Anne von GonMga.