Band 
Neun und dreyssigster Theil.
Seite
533
JPEG-Download
 

zo. Buch. Ludwig der Vierzehnte. 5zz

^tchen Entschluß so wenig vermuthet, daß sie ihren Augen nicht trauen wollten, als^ die Franzosen anrücken sahen. Don Johann glaubte nicht einmal den Berichtenes Herzogs von Rork, der sich seit Cromwels Bündniß mit Frankreich zu denSpa,"lern begeben hatte, und des Prinzen von Londe ; er blieb unbeweglich in seinem Zel«e sitzen, und ertheilte keinen einzigen Befehl. Londe" ward darüber so erzürnt, daß" bsl) Don Johann stehenden jungen Herzog von Gloucester, Bruder desengtt,Königs Z^arl des Zwecken fragte, ob er noch "keine Schlacht habe gewinnenIchen? und als dieser Prinz mit Nein antwortete, zu ihm jagte.- Nun, so werden Sie"euier halben Stunde sehen, wie wir eine Verkehren. Dies geschah würkllch; denn..gleich einige spanische Regimenter und Londe grosse Tapferkeit bewiesen, und dieAufigen Dünen ober Sandhügel die Angriffe sehr erschwerten, auch die Spanier der-

Iwnri.j .-— ^-e ^ ^ ^ ^ er- ,

1658

......rmen— vlespanycye Infanterie hauptsächlich überwand, emen vollkommenen

^ieg davon. Von den Spaniern wurden bey sechstausend Mann getödtet und gefan,lLonde", der sich vergebens bemühte, sich mit einigen Truppen durch die fran,

Wsche Armee zu schlagen und sich in Dünkirchen zu werfen, verlohr ein Pferd unterem leibe, und wave beynahe gefangen worden; wie denn dies den Grafen von <Lo-»ugni und Boutteville, die zunächst bey ihm waren, würkllch wiederfuhr.

Die erste Frucht dieses Siegs war die Eroberung von Dünkirchen; nicht weildie Belagerten dadurch allen Muth verlohren, sondern weil man ihnen lebhafter zuse-tzen konnte. Ihr Befehlshaber wagte sich bey einem Ausfall zu sehr, und verlohrDrüber das Leben; alsdann kapitulirte die Besatzung. Der König kam mit seinemMi- Am r; Jan.

ster herbey, um sie ausziehn zu sehn: allein, Ludwig, der sich bey dieser Belagerung">cht als Held gezeigt hatte, bewies sich auch nachher nicht als König. Er hatte kein^Id, um es den verwundeten und zerstümmeltcn Soldaten auszutheilen; kaum hatte^ die nöthige Bedienung; und wenn er zur Armee kain, hielt er keine eigne Tafel, son-ern speiste entweder bey dem Kardinal oder bey dem Marschall von Türcnne. DieseAnlegung der königlichen Würde, rührte bey Ludwigen nicht vom Mangel an Nei-zur Pracht her — denn in der Folge bewies er das Gegentheil nur allzusehr —lo»dern weil Mazarini den Glanz und das Ansehn eines Königs in seiner eignen Per-lvn vereinigen wollte, und weil er mehr Geld hatte, als der König. Denn er war/v vornehmste Lieferant bey der Armee, und gewann an allen Mund-und Kriegsbe»

2 Wissen. Ludwig zog in Dünkirchen ein, um es dem Lord Lokart einzuräumen.

Ä^ar machte Mazarini einen Versuch, den Vertrag mit England, unkräfcig zu ma,und Dünkirchen zu behalten: allein, der Engländer drohte, und überwand durchSündhaftigkeit die Arglist des Italieners.

Der Sieg in den Dünen und die Eroberung der dabey liegenden Festung, wo,den ^ Gestalt deö Kriegs so sehr verändert und die Spanier in Gefahr gesetzt wur,y" / entweder alle niederländische Provinzen zu Verkehren oder Friedensbedingungenf^"ehnien, waren so erhebliche Begebenheiten, daß Mazarini, eifersüchtig auf denb ^-ürenne daher entspringenden Ruhm, die Schwachheit begierig, sich densel,e " zueignen ^ wollen. Er trug seinem Vertrauten, dem Grafen von Moret, auf,

" Vicomten von Türenne, dessen bester Freund er war, zu bereden, daß er einen

Xxx z Brief