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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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Der Oden andres Buch.

Die Demuth und Gelassenheit,

Des tadelfreyen Wandels Stille,

Ein völlig gottgeweihter Wille,

Und die gepriesne Müdigkeit;

Das war nunmehr der reine Schmuck,Der ihren Boy und Schleyer zierte,Dadurch sie jeden überführte,

Wie unverstellt sie Leide trug:

Und wie sie, auch im Trauerklcide,

Sich christlich ihrer Pflicht bescheide.

Ihr, die oft Noth und Mangel drückt,Wenn euch die Nahrungssorge qvalet:Gesichts, hatö euch an Trost gefehlet,WeNn meine Tochter euch erblickt?

Kommt her und rühmt, was sie gethan,Und wie sie euch, mit milden Händen,Gewußt die Wohlthat zuzuwenden;

Ja zeigt es allen Menschen an:

So wird ihr Beyspiel euch zu schützenAuf späte Zeiten vielfach nützen.

88iewohl dieß alles hat sie nichtVon Schwachheit, Tod und Gruft bcfreyet:So sehr sie mir ihr Herz geweihet,

So traur ich, da ihr Auge bricht.

Ach Tochter! Bornin! Margaris!

Hier stockt der Tugend Matte Zunge';

Der Schmerz, der sie zum Seufzen drunge,Wird ihrer Klagen Hinderniß:

Sie läßt den Flor ins Antlitz fallen,

Und überläßt den Schluß uns allen.