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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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6oo Sechstes Lehrgedichte.

Ich weis, du siehest dieß mit muntern Sinnen an,

Weil das, was dich nicht trifft, dich nicht verletzen kan.Wer sich getroffen sühlt, der mag sich kündbar machen;So kriegt die kluge Welt das Recht ihn auszulachen.

Du wirst ein Geistlicher, und zwar zu einer Zeit,

Da mancher, der sich auch dem Predigtstuhl geweiht,

Die Hand vorn Pfluge zieht: Ein schreckliches VerbrecheWenn man den Pöbel hört sein altes Urtheil sprechen.Allein, wen wundert das, der auch nur halb bedenkt,

Wie sehr die Mode schon die Kanzeln eingeschränkt,

Und wie genau man sich, ein Aemtchen zu erhalten.

Der eingeführten Art ganz ähnlich soll gestalten.

Man redet H^er, o Freund! von unsern Lehren nicht,

Die wahr und göttlich sind. Wer diesen widerspricht,Ist freylich selbst verkehrt. Man redet nicht von KennetDer wahren Redekunst, von hochgelehrten Männern,

Die unsers Sachsens Schmuck, der Kirchen Ehre sind rWer diese schelten will, ist selbst aus Thorheit blind,

Ja vieler Strafe werth. Man redet nur von Moden,Die Menschen Witz erdacht, und künstlichen Methoden«Die, die sind eine Last, die manche Schulter schreckt,

Daß sie den Mantel sticht, der so viel Pein erweckt,

Und unerträglich wird. Doch ich kan alles sparen;

Du, werthgeschäßter Freund! hast dieses selbst erfahr^'

Seit dem des Höchsten Geist, mit wunderbarer KragstNicht mehr Propheten treibt, nicht mehr Apostel schafft)Seit dem die Sendung nicht unmittelbar geschiehet,

Weil das geschriebne Wort allein die Herzen ziehet:

Seit dieser ersten Welt muß Fleiß, Belesenheit,

Der Sprachen Wissenschaft, und die Beredsamkeit