Zehnte Übersetzung. 665
Was taugt das Beyspiel hier, das uns beschimpfen kan?Was gehn uns, fragst du mich, Aegyptens Götzen an?Wie will dein freyer Mund den frechen Satz erweisen?Muß man den Esel mehr, als einen Docker, preisen.
Den Esel, den man nur zum Spott zu brauchen pflegt,
Das allerdümmste Thier, das so viel Martern tragt,Durch dessen Namen man schon kan Satiren machen,
Ja freylich! aber sagt, warnm wir ihn verlachen?
Warum man ihn beschimpft ? Ach! hielte dieses'Thier,
Als Doctor, uns einmal der Menschen Lasier für;
Und wenn der Himmel ihm, damit es strafen könnte,
Den nöthigen Gebrauch der Redekunst vergönnte,
Uns klärlich darzuthun, was es sich heimlich klagt:
Mein Freund! was würde nicht (doch unter uns gesägt)
Der Esel von der Welt für Worte hören lassen ?
Was meynst du, was er denkt, indem er durch die GassenDer grossen Städte geht, und hin und wieder sieht.
Was für ein tolles Volk an allen Enden zieht,
Der grau, der andre schwarz, der dritte schameriret?
Was denkt er, wenn der Arzt, den Pferd und Wagen führet,Den Tod im Futteral zu feinem Kranken bringt ?
Wenn ein Pedantenschwarm durch volle Strassen dringt,Wo Diener und Pedell des Rectors Pracht begleiten;Wenn die Gerechtigkeit umringt von allen Seiten,Verbrecher, nach der Kunst, zum Scheiterhaufen führt;Wenn er von ungefähr zur Mittagsstunde spührt,
Welch gräßliches Getön das weite Rathhaus füllet,
Indem bey Zank und Streit ein Zungendrescher brüllet?Was denkt er, wenn er sieht Soldaten, Granadier,Bediente, Geistliche, Verwalter, Offlcier?
O wenn der Esel dann, wie zu Aesopens Zeiten,
Noch wüßte, was der Ton der Wörter kan bedeuten,