Band 
Erster Theil.
Seite
8
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8 Vorrede D- Baumgartens.

so ausgearbeitete Erzälung unerheblicher Begebenheiten und nichtstvükdiger Kleinig-keiten nimmermehr zu einem guten Geschichtbuch machen; auch manche NachrichtenLeuten von besondern Lebensarten und Orten erheblich seyn oder merkwürdig vorkom-men können, die sich auf anderer Leser Aufmerksamkeit wenig oder gar keine Hofnungmachen dürfen. Daher bey alten und auswertigen Geschichtschreibern die Meinun-gen und Gewonheiten der Zeiten und Orte, wo sie geschrieben, erwogen werden müssen,wenn von der Güte ihrer Geschichte in diesem Stück geurtheilet werden sol; folglichdie Meldung solcher Begebenheiten, die damals vor merkwürdig gehalten worden underheblich gewesen, wenn sie uns gleich nicht so vorkommen , als die häufigen vermeintenWunderlichen und natürliche Seltsamkeiten beim Livio, eben so wenig zu verwerfenist , als man in Reisebeschreibungen Nachrichten misbilliget, die an den beschriebenenOrten bey jederman für höchst unerheblich würden gehalten werden (z).

Das zweite Merkmal und Hauprstück der Historie, besteht in der Art desVortrags solcher Begebenheiten. Sol derselbe eine gegründete Nachricht ftyn:so mus er theils hinlängliche Erzalungen der Begebenhetten, theils einen natürlichenZusammenhang und Ordnung derselben, theils Merkmale und Bestimmungsgründeder Zuverläßigkeit enthalten; weil ohne diese Stücke entweder gar keine oder doch kei-ne gegründete, das ist, begreifliche und erweisliche Vorstellung geschehener Begeben-heiten erfolgen kan.

Durch die erste angefürte Eigenschaft werden blosse Namenverzeichnisse von ei-gentlichen Geschichten unterschieden. Wozu denn erfordert wird, daß nicht nur alleBegebenheiten, die zu einem bestirnten Umfange der Geschichte gehören, gemeldet;sondern auch soviel Umstände angefüret werden, als zur begreiflichen und lebhaften Vor-stellung derselben dienlich sind. Die folgenden Stücke können ohne dts erste nicht er-halten werden. Dessen Mangel durch anderweitige Ausschweifungen und untermeng-te Betrachtungen, oder gar Rednerkünste, nicht ersetzet, sondern nur merklicher und un-erträglicher gemacht wird (4).

Die

(z)Das Bewustseyn dieser Erwartung merk- die Einsichten erweitern, und die Begreiflkchkeitwürdiger Begebenheiten bey Lesern, Hat manche anderer Dinge aus Begebenheiten zum Beur-Geschichtschreiber verleitet, durch Vergröfferun- theilungsgrunde ihrer Erheblichkeit gebrauchtgen dererzalken Begebenheiten dieselben merk- wird; je merkwürdiger wird manches, das inwürdiger zu machen, als sie an sich würden ge- Absicht der Seltenheit eben nicht so erheblich ge-wesen seyn: weiche Wirkung doch selten erhol- schienen. Da alle Begebenheiten in der Weltten wird, und bey der geringsten Merklichkeit, zusammenhängen, folglich eine Gesäu'chte aus derdie beinahe unausbleiblich ist, zum Nachtheil an- andern begreiflicher wird: so ist bey steigenderderer wenigstens eben so unentberlichen Eigen- KentniS der Geschichte nicht zu besorgen, daß esfchaften der Historie, sonderlich ihrer Glaubwür- an Reizungen der Aufmerksamkeit gebrechendigkeik, gereichet. Je unwissender und der Ge- könne, ob dieselbe gleich nicht mehr durch Be-schichte unkundiger Leser sind ; je mehr beruhet wunderung von Seltenheiten unterhalten wird.ihr Urtheil von der Merkwürdigkeit aufder blos- (4) Diese Umständlichkeit der Erzalungen he-

ftn ungewönlichen Seltenheit: je mehr sich aber ruhet nicht sowol auf wortreicher Weitläufig-