Band 
Erster Theil.
Seite
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2- Vorrede D. Baumgartens.

Erweislichkeit verlieren müsse, wo die Gewisheit der vormaligen Nachrichten von die«sen Begebenheiten nicht durch neue Wunderwerke solle bestätiget werden.

Dis vorausgesetzt, wird sich nun die Nutzbarkeit der Gesthichte sowolleichter, kürzer und begreiflicher vorstellen, und theils nach ihren verschiedenen Artenanzeigen, theils mit hiwänglichen Gründen darthun, als auch gegen die erheblichstenund scheinbarsten Einwürfe retten lassen: ohne eine eigentliche und verdächtige Lobre-de derselben zu schreiben, oder gesamleter Zeugnisse und vortheilhafter Aussprüche an-ftnlicher Leute benötiget zu seyn.

Bey dem erster» Vorhaben können die verschiedenen Arten dieser Nutzbarkei-ten füglich auf sechs Stück zusammen gezogen werden.

Erstlich gehört dahin die reizende Annemlichkeit der Geschichte, und das be-lustigende Vergnügen, so aus denselben geschöpft wird: so nicht nur ihre übrige Nutz-barkeit sehr vermeret, sondern auch selbst ein wichtiges Stück derselben ausmacht, so-wol der häufigen Vortheile wegen, die dadurch zu erhalten stehen, als auch Haupt«sächlich in Absicht der Pflichtmäßigkeit eines geflissentlichen Vergnügens bey sich undandern, so von den menschlichen Obliegenheiten nicht ausgeschlossen werden kan.

Diese Almut und Belustigung der Geschichte ist so algemein, daß sie nicht füg«lich aus einem angenommenen Vorurtheil herrüren, auch bey sehr wenig Leuten durchlange Gewonheit unterdrückt werden kan, ja sich nicht selten bey öffentlichen Veräch«tern der Geschichtkunde aussert (2z). Sobald nur einige Auswickelung der Gemüts-kräfte und Gebrauch des Verstandes bey Kindern zu entstehen anfängt, werden ihnendiese Reizungen empfindlich, die daher zum Unterricht derselben so brauchbar sind, unddas bewärteste Hülfsmittel zur Einflössung aller übrigen nützlichen Einsichten abgeben.Daß also dis Vergnügen natürlich, und den weisen Absichten des Urhebers der mensch-lichen Natur gemäs seyn mus. Welches noch deutlicher aus genauerer Erwegung derGründe in der menschlichen Beschaffenheit erhellet, worauf dasselbe beruhet. Erzä-lungen von Begebenheiten entstehen aus Empfindungen und anschauender Erkentnisderselben: können also nicht nur am leichtesten bey andern zur Vorstellung gebrachtwerden; sondern verursachen auch unausbleiblich eine Erinnerung derselben, die ihrerErneuerung und Wiederholung sehr nahe komt. Eben dadurch gehen schnelle Ver-änderungen der Vorstellungen vor, ja alle Fähigkeiten der menschlichen Sele werdendabey unvermerkt und ungezwungen zur Beschäftigung gebracht, und darin, mit be-ständiger Abwechselung des Vorwurfs und Gegenstandes, unterhalten, auch zugleichgeschärft r so nebst der merklichen Erweiterung des Vorrats vonVorstellungen,Begriffen

und

( 2 z) Der betanke Beförderer der Zweifelsucht, höchste Alter damit beschäftiget, jaaufdemTod-5ranc. delaMothe le vaper, hat bey aller Hef- bette, kurz vor seinem Absterben, da er sich austigen Bestreitung derGeschichte und ihrer Zuver- einer Ohnmacht erholt, bey unvermuteter Er-läßigkeit, nicht nur seine Schriften damit häufig blickung des aus Indien zurückgekommenenangefüllet, und eine grosse Belesenheit in Reisebe- Berniero, denselben um Erzälungen vom Mo-schreibungen bewiesen: sondern sich auch bis ins gol ersucht.