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Vorrede D. Baumgartens.
Viertens , besteht ein steigender Nutzen der Geschichte in Beförderung-er Tu«gend. Die von gedoppelter Art ist: indem dieselben theils einen fruchtbaren undreizenden Unterricht des rechtmäßigen und tugendhaften Verhaltens überhaupt erthei-len, theils zur Uebung verschiedener besondern Tugenden Gelegenheit verschaffen undunvermerkt anfüren.
Was die algemeine Anweisung zur Tugend betrift: so ist wol unleugbar, daßdie unzäligen Beispiele der Tugend und Laster,.des rechtmäßigen und unrechtmäßigenVerhaltens, auch der gesamten beiderseitigen Folgen, womit die Geschichte angefülletsind, die eigentliche Beschaffenheit, Merkmale und Unterscheidungsstücke derselbenleichter und ausfürlicher beibringen können, als bey manchem durch den scharfsinnig,sten Vortrag der Sittenlehre zu erhalten seyn würde. Womit zugleich eine Hebungder gewönlichsten Vorurtheile von Unmöglichkeit und Vergeblichkeit der Tugend ver-knüpft ist, ingleichen eine Ertheilung häufiger Vorschläge, ihre Uebung zu erleichternund den Scheinwiederspruch verschiedener Pflichten zu verhüten.
Hiernächst enthalten die Geschichte starke Bewegungsgründe und nachdrücklicheReizungen zum geflissentlichen Bestreben nach Tugend, und sorgfältiger Vermeidungder Laster. Der Entdeckung ihrer höchst verschiedenen Folgen nicht zu gedenkensoist der blosse Anblick einer bewärten, überwiegenden und dauerhaften Tugend so reizendund liebenswürdig, daß er ohne Bewunderung und Belustigung nicht abgehet, Em-pfindungen eines innigen Wohlgefallens und Vergnügens erweckt, ja sich oft bey la-sterhaften Menschen ihrer Genemhaltung bemächtiget, und eine ehrerbietige Hochach-tung erzwinget, nebst senlichem Verlangen und Wunsch, so beschaffen zu seyn, oder dochwenigstens so auszusehen. Wo jemand nicht höchst unempfindlich und gleichgültiggegen sich selbst geworden, wird er anderer Verdienste um menschliche Geselschaften,Eifer fürs gemeine Beste, genaue Beobachtung des Rechts und der Billigkeit, beschei-dene Mäßigung im Glück und geduldige Standhaftigkeit im Unglück, unermüdeteund grosmülige Gutthätigkeit, unverbrüchliche Freundschaft, schwerlich gewar werden,ohne heftigen, auch oft unverletzlichen Trieb und Entschlus der Nachamung, ja häufi-ge Scham über den dabey unausbleiblichen Anblick der Unänlichkeit seines Verhaltens,selbst bey allem angenommenen Schein und Gebrauch zweideutiger Merkmale.Eben so wenig bleibt der Anblick der treulosen Pflichtvergessenheit, unmenschlichen
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und Begebenheiten zu überdenken; die eigentli- Stufen der Warscheknlichkeit desselben, herzulei-chen Triebfedern und Bestimmungsgründe, auch ten; folglich die Erwartung änlicher Fälle,gebrauchte Hülfsmittel bey grossen Verändern»- WiH und Vernunft gehörig zu schärfen und rich-gen und unerwarteten Begebenheiten, zu entde- tig zu gebrauchen. Unzälige Umwege, vergeb-cken; von dem Gewicht und Werth zusammen- liche Bemühungen und unnötige Schwierigkel-kommender Umstände, aus ihrem Einflus in den ten, auch verdriesliche Streitigkeiten, Hätte man-gesamten Erfolg richtig zu urtheilen; und sein je- cher Gelerter vermeiden können, wann ihm diedesmaliges Verhalten aus dem erkanten Ver- Geschichte, auch nur seiner Wissenschaft, bekan-hältnis des vergangenen und gegenwärtigen, ter gewesen wären,gegen den künftigen Erfolg und die verschiedene