zo Vorrede D. Baumgartens.
zu vertiefen, des sorgfältigsten Gebrauchs seiner Gelegenheit und Zeit zu befleißigen,und wahrer Tugend zu ergeben, die allein dauerhaft ist, und ohne Gefar eines Wech-sels jederman eigen bleibt (28).
Der Augenschein unleugbarer Gleichheit in der Mischung des Guten und Bö-sen, Vortheilhaften und Nachtheiligen, Angenemen und Beschwerlichen in mensch-lichen Dingen, oder des Gleichgewichts in den Verhältnissen derselben gegen mensch-liche Wohlfahrt in verschiedenen Zeiten und Orten, und der Unvermeidlichkeir destogrösserer Gefar des Misbrauchs und der Schädlichkeit aller vorzüglichen äusser»Glückseligkeit, wie auch der Unentberlichkeit eines hinlänglichen Gegengewichts undDrucks, ingleichen nötiger Wiederwertigkeit und Müseligkeit ssurs menschliche Ge-müt, so in den Geschichten gar merklich ist: befördert eine tugendhafte Gemütsruhe,Zufriedenheit und Vergnügsamkeit, die theils ein wichtig Stück menschlicher Glück-seligkeit ist, theils zur Uebung anderer Tugenden nicht wenig beiträgt. Da diemeiste Unzufriedenheit und das unruhigste Misvergnügen aus einem unbesonnenenWunsch herrüret, wo nicht gar in eine andere Welt, doch wenigstens in andere Zei-ten und Orte unserer Welt zu gehören , die sich mancher aus Unwissenheit der Ge-schichte als gülden und volkommen vorstellet: so mus die genauere Kentnis der wah-ren Beschaffenheit fremder Orte und entfernter Zeiten, auch verschiedener Lebensar-ten und Stände in menschlichen Geselschaften, diese Quelle der Unruhe verstopfen,und die Ueberzeugung befördern, daß weder die eigentliche Glückseligkeit der Men-schen in solchen äussern Zufälligkeiten bestehe, noch auch die Erleichterung des Zugan-ges dazu auf dergleichen Dingen beruhen, darin sie gemeiniglich gesetzt werden (29).
Endlich
(28) Da in den Nachrichten menschlicher Be- Misbrauch solches Anblicks alle seine Neben-gebenheiten zugleich die Gescdichte der menschli- menschen vor Narren oder Schelme zu halten ;chen Vernunft und des menschlichen Herzens vor- obgleich die Anzal von beiden an allen Orten undkommen : so mus jederman, der sich gleicher zu allen Zeiten leider gros genug ist, und nurMenschheit bewust ist, notwendig viel Demüti- mehr als zu viel Menschen zu beiden Arten ge-gangen gewar werden, wenn er die entsetzlichen hören; welches die Notwendigkeit einer sorgfäl-und häufigen Schwachheiten, Ausschweifungen tkgen Behutsamkeit nicht wenig vermeret.und Vergehungen der Geschöpfe seiner Art erbst- (29) Eine mangelhafte Kentnis der Geschich-
tet ; die nicht nur an den Ungeheuren und Mis- te kan zuweilen dergleichen Misvergnügen erwe«geburten, oder öffentlichen Schandflecken der cken und unterhalten, daß sich mancher einbilde,menschlichen Natur, sondern sogar an einzeln im Himmel zu seyn, wenn er ein alter Römer,Stücken der scheinbarsten, ansenlichsten und be- oder Eacedämonier, oder auch jetzo ein Chinesesten Gattung angetroffen werden. Deren An- werden könte. In welche Thorheit manche Ge-blick bey einigem Nachdenken die grosse Einbil- lerten verfallen, als Isaac vsßius; doch mehrdüng von den Volkommenheiten des durchdrin- aus Unwissenheit als Schuld der Geschichte,genden Verstandes, und der alles übersehenden Ueberdis verhüten die Geschichte unzälige Be-Vernunft, auch unverbesserlich guten Herzens, stürzungen und Anfälle niedergeschlagener Mut-nebst dem grossen Zutrauen zu denselben, gar sehr losigkeit und Verzweifelung. Indem sich man-vermindern, und die Notwendigkeit entdecken cher mit eingebildeten, wenigstens sehrvergrös-mus, sich vor sich selbst in acht zu nemen, und serten Gefärlichkeiten und vermeinten Unüber-gegen sich selbst behutsam zu seyn: ohne durch windlichkeiten derselben, zur Ungebür beunru-