94 Einleitung hur algemeinen Welthistorie
hen Die vernünftigere Meinung aber bestehet darin, daß solches alles durch dle'unglek/che Dichte der Erdseulen bey der ersten Bildung der Oberfläche des Erdbodens verursachetworden, indem einige derselben tiefer als andere in den Abgrund gesunken; denn es ist mehrals warscheinlich, daß die Erdseulen der Berge viel lockerer und leichter sind als die an-dem, obgleich insgemein das Gegentheil geglaubet wird Der andere Theil die/
ses Tagewerks ist die Hervorbringung der Erdgewächse gewesen, welche den künftigen Thie-ren zur Narung dienen sollen. Wir mögen uns aber die Fruchtbarkeit der anfängliche»Erde auch noch so gros vorstellen; so läst sich doch nicht wohl begreifen, wie Bäume undPflanzen in so kurzer Zeit, als ein einiger Tag ist, ihren völligen Wachstum erreichen, auchihre verschiedene Früchte und Samen tragen können, ohne Mitwirkung einer übernatürlichenKraft. Und gleichwie man durchgehends zugiebet, daß GOtt die Samen dieser Gewächsegebildet; so möchte es auch nicht eben unrecht seyn, derselben schnelle Reise seiner Wirkungzuzuschreiben; ob es gleich bekant genug ist, wie sehr auch noch heut zu Tage der Wachs-tum der Erdgewächse durch Hülfe der Kunst gefördert werden kan; wovon es erstaunlicheExempel gegeben, und dergleichen npch mehr von der Natur in ihrer damaligen Stärke er-wartet werden können
§. Ivs.
Viertes tw Am vierten Tage, wird gemeldet, seyn die zwey grossen Lichter, die Sonne und dergewerk. Mond gemacht und an den Himmel gestellet worden. Indessen muö man nicht meinen,daß diese Körper alsdann erst erschaffen oder in ihre verschiedene Laufbanen gesetzt worden rindem die Sonne von Anfang der mosaischen Schöpfung an nicht nur bereits dagewesen,sondern auch die ganze Zeit hindurch schon einen grossen Einflus auf die Erde gehabt, da ihrLicht und Hitze stufenweise zugenommen, und auf die Erde und ihre Gewächse mit grössererKraft gswirktt, nachdem von Zeit zu Zeit die Luft immer reiner und heiterer worden; der
Mond
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(79. B t> Die allster bestricken- Meinung ist so-tvol der Schrift als Vernunft und Erfarung gemas-ser, denn die vorgezogene wvistoniscbc. In der Be-schreibung und Erleuterung des dritten Tagewerksps. 104,; -18 wird bis erste Stück desselben v. 7. 8einem heftigen Wetter und Erdbeben zugeschrieben,oder einer starken Entzündung der Feuertheilchen so-wol in der Dunstkugel um unsere Erde oder unternLnst, als in dem Erdboden selbst; wodurch die vestenTheile desselben aus einander getrieben worden, angewissen Orten über dem Wasser hervor zu ragen, anandern aber desto grössere Aushölungen zu Behält-nissen vor das Wasser zu verursachen. Welches durchdie Erfarungen vom Entstehen neuer Berge auf ve-stem Lande und neuer Jnsuln im Meer, auch Ver-senkung ganzer Gegenden durch heftige Erdbebengar sehr bestätiget wird. Da hingegen die andereMeinung theils auf einem wenigstens nicht durch-gängig erweislichen Vorgeben beruhet, dem sonder-sjch die überwiegende Schwere der Erze in Gebirgenund. unter denselben sehr im Wege stehet, theils auseiner Mutmassung bestehet, die sowol den Bewe-gungsgeseken als Erfarungen von der innern De-schaffcnhett des Erdbodens eben nicht gemäs ist. In-
dem die vestere Verbindung längerer oder HähersS«ulen, sonderlich von einem oft so unermesliche»Dnrchschnit, mit den Gesetzen der Unterscheidunas-schwere und des Gleichgewichts flüßiger Dinge beyder anfänglichen Verbindung vester Körper und dergesamten Erdkugel, nicht leicht gereimet werden kan -auch die in der Erden befindliche verschiedene Lagenund Schichte mit dieser Vorstellung herabgestürzt^und größerer Schwere halber tiefer gesenkter See-len, nickt »bereinkomt.
(80. B.) Bey der mit diesem dritten Tagewerkangegangenen Hervorbringung organischer Körper»die aus mehrern Theilen von verschiedener Bildungund Bestimmung des Gebrauchs bestehen, auch durchinnere Ansähe wachsen und erhalten werden, ist d»Ordnung der stufenweise verschiedenen Volkomwen-heit derselben beobachtet worden, daß die Hauptarmsvon unvolkommener Beschaffenheit vor den volko^menern entstanden, daher die Pflanzen, in deren Le-ben blosse Selstthatigkeit ist, zuerst, hernach diesinAchen Geschöpfe oder Thiere mit Wilkür, und zuletz-die vernünftig freien Geschöpfe oder Menschen er-schaffen worden.