Band 
Erster Theil von A - G.
Seite
130
JPEG-Download
 

1730 Boͤſchenſtein.

nen. Er war gebohren 1472 zu Eßlingen in Schwaben, undſein Vatter, Heinrich, ein Chriſt, war gebuͤrtig aus der StadtStein am Rhein unterhalb Coblenz. In ſeiner Jugend hielte erſich zu den Juden, und erlernte von ihnen ſowol als vom Reuch-lin die Ebr. Sprache, daher er von vielen fuͤr einen gebohrnenJuden gehalten wurde, wowider er ſich doch ſchrifftlich und ernſt-lich vertheidiget hat. In einer Deditation an Reuchlinen, ſchreibter einſtmals: Scilicet à rabidis indigne laceratus, et in carceremconiectus fui ludaeis, quia eorum linguam diſcebam, Chriſtia-nis, quia cum ludaeis conuerſatus, odio maximo eram. Vnumhoc loco excipiam primum in Hebraeorum elementis praecepto-rem meum Moſche Moellin ex Weyſſenburg etc. welcher MoſesMoͤllin vermuthlich ein Jude geweſen iſt. Zuerſt war er Lectorder Ebr. Sprache zu Ingolſtadt, von dar kam er auf Lutheri Re-tommendation nach Wittenberg, wo er 1518 und 1519 beſagteSprache docirte, aber ſich auch von dannen wieder unvermuthetdavon machte, wie er denn in Wittenberg gar ſchlechtes Lob hat-te, und Luther I. I. Ep. p. 139. a. von ihm ſagt: Hebraicas lite-ras Philippus noſter tractat, ut maiore fide, ita et maiore fruètu,quam Iohannes ille d dντνντν. Sonſt nennt ihn auch Luthernomine Chriſtianum, reuera judaeiſſimum, und mehrere uͤbellautende Nachrichten von ihm koͤnnen in J. G. Olearii ſcrinio an-tiquario p. 41. 42. 63. 54. 56. 6. nachgeleſen werden. VonWittenberg nun kam er nach Nuͤrnberg, lehrte im Auguſtiner-Kloſter die Ebr. Sprache und war einer mit von den erſten Pro-feſſoren des Gymnaſii. Die Gruͤnde dieſes zu behaubten ſindfolgende: 1) es kommt unter den erſten Praͤceptoren und Profeſſ.des 1525 vom Melanchthon errichteten Gymnaſii zu St. Egidienein Joh. Podenſtein, Prof. der Ebraͤiſchen Sprache vor, vondem ſonſt niemand das gering wiſſen will; da nun unſer Boͤ-ſchenſtein bald Boͤſenſtein, bald Beſchenſtein, Voſchenſiain,Boſſenſtein, Poſchenſtain, Buchſenſtein, Boſſoſthenius, Be-ſentinus, genennet worden, ſo zweifeln wir gar nicht, daß hiereine Vermiſchung der Namen Podenſtein mit Bo ſchenſte n vor-gegangen ſeye. 2) Der Boͤſchenſtein nennt A. Oſiandern laben

jeben.