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Innere Geschichte bis zur völligen Be»feftigung LeS plebejischen Consulats.
Zwischen zwey Standen die aus uraltem Verhältnißdes Stolzes und der Kränkung zur Gleichheit übergegan-gen waren, konnte nur die Zeit, welche den Gesetzen durchGewohnheit die mildeste und wohlthätigste Gewalt ver-leiht, einen aufrichtigen Bund stiften: und sie mußtemit Consequenz vollenden was zum Heil der Nationbegonnen war. Es war natürlich daß die Patriciertrachteten die verlohnten Vorrechte wiederzugewinnen:es bedurfte einer fühlbaren Belehrung daß dieses Stre-ben eitel sey, und es mußte ihnen selbst gefährlich ge-worden seyn, ehe die Republik innere Ruhe bey Frey-heit genießen konnte. Fünf und zwanzig Jahre verflos-sen in dumpfen oder heftigen Bewegungen bis diesesZiel erreicht ward: und diese Geschichte der Vollendungdes licinischen Gesetzes, wenn gleich zum Theil in dieder Kriege desselben Zeitraums verwebt, wird es zweck-mäßiger seyn vor ihnen zu erzählen als zu ver-schieben.
Auf die Revolution, wie sie durch völlige äußereRuhe oder Unwichtigkeil der Kriege möglich gewordenwar, folgte eine Stille, in der das Volk, frey vonSteuern und Kriegsdienst, die Wohlthaten der Gesetz-gebung ungestört genoß. Die Ausführung der Gesetzeerforderte eine sehr lange Zeit und die ganze Aufmerk-samkeit der Regierung. Es mag wahr seyn daß derSenat keinen Krieg wollte, damit der plebejische Con-