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Die Richterin : Novelle / von Conrad Ferdinand Meyer
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die scharfen Kiesel deine Sohlen zerreißen, denn dubist eine große Sünderin!" Weinend trat Faustineihren dunkeln Weg an.

^ Frau Stemmn hatte recht gesagt. Da sie die hoch-

gelegene Burgkammer betrat, schlief Palma . Neben ihrentiefen Athemzügen glomm auf einem Dreifuß eine hütendeFlamme. Das Mädchen lag in ihrem ganzen Gewändeauf dem Polster, die Hand über das Herz gelegt. Siehatte das freudig pochende beruhigen wollen und wardaran entschlummert. Die Mutter betrachtete die Ge-berde und konnte sich der Erinnerung nicht erwehren.

Nach dem Tode des Vaters und des Gatten und* nach der Geburt Palmas hatte die noch nicht zwanzig-jährige Richterin die Regierung ihres Erbes mit ent-schlossener Hand ergriffen. Die dem jungen und schönenWeibe unter einem verwilderten, begehrlichen Adel vonselbst entstehenden Freier und Feinde hatte sie miteiner über ihre Jahre scharfsinnigen Politik veruneintund der Reihe nach mit den Waffen ihrer Lehensleute> gebändigt. Helm und Schwert und die gerechte Sacheder muthigen Richterin wurden von dem friedseligenBischof Felix in seinem festen Hofe Cur mit weit aus-gestreckten Händen gesegnet. Nach einigen stürmischen

Richterin. 4