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Die Richterin : Novelle / von Conrad Ferdinand Meyer
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Hilf, Stemma," hauchte er,wie heißt es, das Ath-mende, Blühende? Hilf!" Die Richterin preßte dieLippen und Peregrinus zerfloß.

Erwacht stand sie vor dem Lager ihres Kindes.Sie küßte ihm die geschlossenen Augen.Bleibet un-wissend!" murmelte sie. Dann glitt sie neben Palma auf das breite Lager und schlang den Arm um dasMädchen, wie um eine erkämpfte Beute:Du bist meinEigenthum! Ich theile dich nicht mit dem verscholle-nen Knaben! Dich siedle ich an im Licht und um-schleiche dich wie eine hütende Löwin!" Der Traumhatte ihr Peregrin gezeigt nicht anders als sein Bildin ihr zu leben aufgehört hatte. Längst war der Jüng-ling, dem sie sich aus Trotz und Auflehnung mehrnoch als aus Liebe heimlich vermählt, an ihrem kasteitenHerzen niedergeglitten und untergegangen, und der einstaus ihrer Fingerbeere gespritzte Blutstropfen erschiender Geläuterten als ein lockeres und aberwitziges Mär-chen. Schon glaublicher beuchte ihr der andere Be-wohner der Unterwelt, und da sie sich auf dem Lagerumwendete und das Haupt in die Kissen begrub, ohneden Arm von der Schulter ihres Kindes zu lösen, er-blickte die Entschlummernde den Comes, wie er an den