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Die Richterin : Novelle / von Conrad Ferdinand Meyer
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92
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Sei nicht blöde und fackle nicht länger! Willstdu sie?"

Die Schreitenden hatten eine Hügelwelle über-stiegen und erblickten jetzt diejenige wieder, von der sieredeten. Sie hatte sich von den Hirtinnen getrenntund stand vor einem der tiefen und schnellströmendenBäche, welche die Hochmatten durchschneiden. Nebenihr irrte ein blökendes Lämmchen, das die Heerde ver-loren hatte, und am Uferrand sitzend löste sich einekropfige Bettlerin blutige Lumpen von ihrem wundenFuße und wusch ihn mit dem frischen Wasser. Raschentledigte sich das Mädchen der Schuhe, stellte dieselbenmit einem mitleidigen Blick neben die Cretine, hob dasLamm in die Arme, watete mit ihm durch die Strö-mung und ließ es seiner Heerde nachlaufen.

Da kam über Gnadenreich eine Erleuchtung.Ichwage es! Ich nehme sie!" rief er aus.Sie ist gutund barmherzig mit jeglicher Kreatur!"

So gehe voraus und richte das Brautmahl! Ichwerde für dich werben. Das ist doch dein Kastell?"In einiger Entfernung stieg aus einem Bezirke vonHürden und Ställen ein neugebauter Rundthurm, überwelchem gerade der Föhn einen ungeheuerlichen Wolken-