Italienische Reise. Thal des Anapo.
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untere Abhänge grossentheils mit immergrünen Bäumen (Caruben,Quercus Ilex , Orangen- und Oelbäumen) bedeckt sind. Dazwischenund im Thalgrund stehen die schönsten Sträucher (namentlich derOleander) und Kräuter, und diese waren in voller Blühte (so dieprächtige Phiomis fruticosa, das Arum italicum und die blaue Iris),während die Platanen noch ganz kahl waren und die Feigenbäumeerst anfiengen auszuschlagen. Reben dem Weg rauscht ein mun-terer Bach, eine in Sicilien seltene Erscheinung. Mehrere Stundenführte uns der angenehme und manigfaltige Weg im Thale fort,ehe wir zu dem auf einem Bergrücken liegenden Städtchen Sor-tino gelangten, denn auch in Sicilien sind die Ortschaften auf oftschwer zugängliche Höhen gebaut. In Sortino wohnten wir beiden Kapuzinern, mit denen wir uns bald befreundeten.“ Von Sor-tino aus wurde der 6 Miglien entfernte Mt. Venere bestiegen. DerWeg dahin führt über eine rauhe, steinige Hochfläche, die vontiefen Schluchten durchzogen ist. Die Vegetation ist sehr kärglichund die Kultur bis auf einzelne Kornäcker verschwunden. Ehesie indessen die mächtige Basaltkuppe des Berges erreichten, kamensie in eine Schlucht, die mit der immergrünen Eiche bekleidetwar; in ihrem Schatten blühte die schöne Pfingstrose (Pajoniaofficinalis) und das Buschwerk war von Epheu und Sarsaparille(Smilax aspera) durchflochten. Die Aussicht auf der Höhe warzum Theil durch Wolken getrübt, doch trat auch hier der Aetna ihnen als imposante Gebirgsmasse gegenüber und die noch be-schneiten Gebirge Calabriens schienen sich bedeutend über denHorizont zu erheben. In Gesellschaft eines gebildeten Arztes undeines Kapuziners besuchten sie später die Grotten von Pantalica ;es sind diess Begräbnisse der verschwundenen Stadt Pantalica . Siesind zu mehreren hundert in die senkrechten Felswände eingehauenund zwar 4 bis 5 Reihen übereinander, so dass man kaum begrei-fen kann, wie man dahin gelangte, um die Todten hineinzulegen.Tiefer am Abhang sieht man zwei natürliche Höhlen (grotta della