I.
Einleitung.
Die technischen Vereine Frankreichs haben fastausnahmslos ihren Sitz in Paris ; ihre Thätigkeit umfasst stets dasgesammte Staatsgebiet, und ihr Bindemittel besteht meist in derSchulkameradschaft. Die Verhältnisse, unter denen dieseVereine entstanden sind und sich bewegen, sind von jenen deranalogen Vereine Deutschlands , Englands und Amerikas so grundverschieden, dass man sie nur zu fassen vermag, wenn manzuvor einen Blick auf das französische Staats wesen überhauptund auf die Entwicklung der dortigen Verhältnisse der Technikund der technischen Schulen wirft.
II.
Entstehung der technischen Schulen Frankreichs .
Frankreich ist seit Jahrhunderten ein Einheitsstaat, in dem dieCentralisation der Gesetzgebung und der öffentlichen Dienstzweigesich schon lange vor der grossen Revolution stetig entwickelte.Auf technischem Gebiete insbesondere betraut schon ein Edict desKönigs Ludwig XII. von 1508 königliche Beamte mit der Ober-aufsicht „aller Strassen, Brücken, Pflaster und Häfen“. Im Jahre 1599bestellt Heinrich IV. — wohl nach Analogie der bekannten Hof-chargen, wie Oberststallmeister (grand-t'atyer ), Oberstjägermeister(grand-veneur) u. s. w. — seinen grossen Minister Sully zumOberstwegmeister (grand-voyer), welchem nicht nur die Aufsichtüber die öffentlichen Bauten, sondern auch über alle, sei es vonden königlichen Localbehörden, sei es von den autonomen Körper-schaften des Königreichs aufgestellten Wegmeister (voyers) zusteht.Von diesem Zeitpunkt an datirt das französische Budget für Staats-