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Littrow. Wunder des Himmels oder gemeinfassliche Darstellung des Weltsystems / J. J. von Littrow ; nach den neuesten Fortschritten der Wissenschaft bearbeitet von Edmund Weiss
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Tätliche SöeUiCflinifl bet Erbe.

1. Abt. Kap. II

Schnur hängen, so steht, so lange der Eimer in Ruhe bleibt, die Oberflächedes Wassers in demselben vollkounncn horizontal. Sobald aber der Eiinerum die inuncr vertikale Schnur als um seine Achse gedreht wird, erhebtsich das Wasser, da es wegen der entgegenstehenden Wände des Gefäßesnicht entfliehen kann, an den Wänden des Eimers immer mehr, je schnellerdie Bewegung wird, während die früher horizontale Oberfläche desselbenin seiner Mitte sich vertieft und konkav wird. Eine sehr schnelle Bewegungdes Eimers um seine Schnur wird endlich alles Wasser über die Wände desEimers heraustreiben und denselben ganz trocken machen. Bringt man an dieStelle des Eimers eine ebene, mit Sand bedeckte horizontale Scheibe, die ander vertikalen Schnur befestigt ist, und dreht man die Scheibe schnell um dieSchnur, so wird der auf ihr liegende Sand sofort in Bewegung kounnen, sichimmer weiter von der Schnur, d. h. vom Mittelpunkte der Scheibe entfernenund endlich ganz von ihr wegfliegen. Wenn man einen kreisrunden, elastischenRing an einen Stift steckt, der in der Ebene dieses Ringes durch den Mittel-punkt desselben geht, und wenn man dann den Ring schnell um den Stift alsum seine Achse dreht, so wird der anfangs kreisförmige Ring sogleich eineovale oder elliptische Gestalt annehmen, indem diejenigen Teile desselben, dieam weitesten von dem Stifte abstehen, also die schnellste Drehung erleiden, sichauch am meisten von der Drehungsachse zu entfernen streben, während die den:Stifte näheren Teile wegen ihrer geringere!: Bewegung auch dieses Bestreben,sich von ihm zu entfernen, in einen: geringeren Maße äußern, bis endlich dieLeiden Pole des Ringes, durch welche die Achse geht, und die gar keine Be-wegung erleiden, auch von jener Kraft ::icht weiter affizirt werden. Ebensosinkt, wenn man eine weiche Kugel von nassem Thone auf die Töpferscheibebringt und die Scheibe rasch umdreht, sofort der höchste Punkt, der einePol der rotirenden Kugel, näher znr Scheibe oder zu den: Mittelpunkte derKugel, während die Teile derselben um dei: Aequator sich immer inchr auf-blähen und von den: Mittelpunkte sich entfernen, so daß endlich die Kugel dieGestalt einer Pomeranze oder eines an seinen beiden Polen eingedrückten,abgeplatteten Körpers annimmt, den inan ein Sphäroid oder ein Ellipsoid zunennen pflegt.

Ganz dasselbe wird nun auch unserer Erde widerfahren, wenn sie sich inder That um ihre Achse dreht, und wenn dabei vorausgesetzt wird, daß dieMasse, aus der sie besteht, wenigstens Anfangs flüssig oder doch iveich genugwar, um einen: größeren auf sie geäußerten Drucke nachzugeben. Diese Boraus-setzung ist aber schon längst außer Zweifel gesetzt, und die Menge versteinerterSeetiere auf unseren höchsten Gebirgen so >vie die Lage und Form der ver-schiedenen Schichten, aus welchen die Oberfläche der Erde besteht, sind ebensoviele Urkunden, auf welchen die Natur mit unvergänglichen Charakteren jenenursprünglich flüssigen Zustand unserer Erde verzeichnet hat.