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Refraktion, Prozession nnd Nutation.
I. Abt. Kap. XII.
eine Erhöhung von 29h so daß daher der höchste und tiefste Punkt der Sonneeinander um volle sechs Minuten näher gebracht werbe«, wahrend der östlicheund westliche Punkt des Sonnenrandes durch die Refraktiou gleichmäßig erhöhtund daher diese Punkte in ihrer Entfernung von einander nicht verändert wer-den, was zuerst der arabische Astronom Alhazen um das Jahr 110O richtigerklärt zu haben scheint.
Die Horizontalresraktion ist auch der Grund, warkim mmt bei solchenMondfinsternissen, die am Horizonte statthaben, den Mond sowohl als auchdie Sonne über dem Horizonte sieht, obschon diese beiden Himmelskörper zujener Zeit um volle 180 Grad von einander entfernt sein müssen, eine Er-scheinung, die der Mathematiker Kleomedes , von dessen Leben man nurweiß, daß es in das vierte oder fünfte Jahrhundert n. Chr. fiel, schon durchRefraktion erklärte.
§ 172. (Absorption beS Lichts in der Atmosphäre.) Die Gestirne erscheinen uns,wenn sie nahe am Horizonte stehen, in ihrem Lichte sehr geschwächt, so daß mirz. B. die Sonne bei ihrem Alls- und Untergänge ohne Schinerzen betrachtenkönnen, ivährend sie um Mittag unsere Augen blendet. Die Ursache dieserwahrscheinlich wieder von Alhazen zuerst erklärten Erscheinnlig liegt darin,daß die Sonne, wenn sie in der Nähe des Horizontes, in X (Fig. 39) ist,ihre Strahlen durch den Weg all in die Atmosphäre schickt, während dieselbenbei einer größeren Höhe der Sonne, z. B. in 8, durch den Weg sB gehen.Jener Weg ist aber bedeutend länger als dieser, und er geht überdies durcheinen größeren Raum der unteren, der Erde näheren nnd daher dichterenLuftschichten, wodurch das Licht der Sonne sehr geschwächt wird. Nach Seidelhat man für die Stärke des Lichtes der Himmelskörper, wenn man sie außerunserer Atmosphäre gleich der Einheit setzt, für die Zenithdistanz von
0° . . 20° 40° 60° 70° 80° 85° 86° 87° 88° 89« 90°
0-81 0-80 0-78 0-66 0-53 0-33 0'17 0-14 0-09 0-05 0'02 0-01
so daß die Lichtstärke der Sonne an: Horizonte 65 mal schwächer ist als imZenithe.
Der Lichtabsorption in unserer Atmosphäre ist es auch zuzuschreiben, daßauf hohen Bergen, wo der dichteste Teil des Luftkreises schon unter dem Be-schauer liegt, die Sterne Heller zu leuchten und zahlreicher zu sein scheinen alsin der Ebene. Noch auffallender tritt dies für das bewaffnete Auge hervor,wie denn z. B. C. Piazzi Smyth in einer Höhe von etwa 3500 Meter-auf dem Pie von Teneriffa Sterne ivahrnehmen konnte, die um nrehrereGrößenklassen schwächer waren als die schwächsten, die dasselbe Instrumenternt Fuße des Berges zeigte.
Eine ähnliche Bewandtnis hat es auch mit der Erscheinung, daß, je höherman über das Meeresnivean emporsteigt, die Bläue des Himmels einen iunnertieseren Ton annimmt, und daß »ainentlich auch bei photographischen Auf-