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Hypothetische iutramcvfuvicUc Planeten.
2. Abt. Kap. II.
Le Vertier zieht also einstweilen nur die Gruppen II und IV in Betrachtund zeigt, daß diese fünf Beobachtungen sich ganz wohl anf einen und denselbenHimmelskörper beziehen lassen?) Um zu erfahren, inwiefern man dieser Hypo-these vertrauen darf, wenn es sich darum handelt, einen künftigen Vorübergangvorauszusagen, ninnnt er sehr sinnreich an, man kenne von Merkur nur dieTage von vier Passagen (1789, 1802, 1832, 1845) vor der Sonne, und findet,daß man daraus mit derselben Methode den int Jahre 1848 beobachteten Vor-übergang anf einen Tag genau bestimmen kann.
Le Verrier macht nun weiter auf den bisher übersehenen Umstand auf-merksam, daß, wie die Durchgänge von Merkur und Venus (s. unten §§ 43und 54) vor der Sonnenscheibe, so auch die der intramerkuriellen Planetenperiodcnweise auftreten werden, und bestimmt die Dauer dieser Periode ausetwa 16 Jahre. Innerhalb eines solchen Zeitrarnnes treten durch 8 bis 9 Jahrejährlich Durchgänge des Planeten vor der Sonnenscheibe ein, während in denfolgenden 8 Jahren keiner mehr stattfindet. C'ine solche günstige Periode fürDurchgänge beim aufsteigenden Knoten begann am 8. April 1853 und endeteam 19. März 1802; Lesearbault und Lummis beobachteten also am Endedieser günstigen Zeit, und es ist daher erklärlich, warum in den folgenden Jahrcilkein fernerer Durchgang gesehen ivurde. Im Jahre 1869 begann aber am9. April abermals eine günstige Zeit, die bis zum 22. März 1877 dauerte;warum nun von den 9 Durchgängen während dieser Epoche, trotz der großenAnfmerksainkeit, die man grade in den letzten Jahrzehnten der Sonne zuwendete,keiner gesehen wurde, erörtert Le Verrier nicht weiter.
Beim niedersteigendcn Knoten finden ganz ähnliche Verhältnisse statt. Hierfallen die günstigen Zeiten der letzten zwei Perioden zwischen den 16. Oktober1866 und 24. September 1875 und dann wieder vom 15. Oktober 1882 anbis zum 25. September 1891. Uebrigens wurde auch hier nicht nur keinerder 9 Durchgänge der letzten Epoche (1866—1875), sondern auch keiner derunmittelbar vorhergehenden (1850—1859) wahrgenommen, indein der letzte, beidiesem Knoten von De Cuppis bemerkte Durchgang (2. Oktober 1839) bereitsaus die Mitte der zweitvorhergehenden Periode (1834—1843) zurückreicht.
So stand die Sache, als die Sonnenfinsternis vom 29. Juli 1878 heran-rückte, deren Totalitätszone ganz Nordamerika durchzog. Bei derselben wurdedas Aufsuchen der intramerkuriellen Planeten noch weit systematischer organisirtals je bei einer früheren Finsternis, und die Bemühungen schienen diesmalendlich wirklich vom besten Erfolge gekrönt worden zu sein. Denn nicht nur
*) H i»d wies später nach, das; auch eiuc Beobachtung des Dvmkapitulars Stark tu Augs-burg Pom 9. Oktober 1819 mit Le SB erriet ’ 3 Formel dargestellt werde. Le Verrier hattediese Beobachtung nicht berücksichtigt, und sie ist auch in der obigen Zusaiumcustelluug ausgelassen,weil Stark nur angibt, er habe am 9. Oktober 1819 einen scharf nmrissenen kreisrunden Fleckbeiläufig von der Größe Merkurs auf der Sonne bemerkt, den er abends nicht inehr fand.