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Littrow. Wunder des Himmels oder gemeinfassliche Darstellung des Weltsystems / J. J. von Littrow ; nach den neuesten Fortschritten der Wissenschaft bearbeitet von Edmund Weiss
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§ 125.

Der Mond.

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wahres Ebenbild zu nennen pflegt; ein Geschlecht, das so thörichte Leiden-schaften hegt und dabei so weise Betrachtungen anstellt, das so kurzdauerndist und doch so weitanssehendc Pläne anspinnt, das so viel Freiheitsdrangneben knechtischen Gesinnungen, so viel Verlangen nach Glückseligkeit und dochkeine Kraft, sie zu erhalten und zu genießen, besitzt?

Uebrigcns, was geht daS sie an? Gewiß nicht mehr, als sie uns angehenmögen. Genug, wenn jeder von uns mit sich und seiner nächsten Umgebungzufrieden ist oder doch zu sein sich stellen kann! Warum sollten unr uns auchum sie, die so weit von uns entfernt sind, bekümmern, wir, die wir nicht ein-mal unsere nächsten Nachbarn kennen, die dasselbe Hans mit uns bewohnen?In der That, wir befinden uns mit diesen Nachbarn schon so lange Zeit auseinem gemeinschaftlichen Schiffe und haben sie noch nicht einmal gesehen. Wirbewohnen, wie wir wenigstens glauben, das Vorderteil dieses Schiffes, währenddie Leute von Lappland oder die von Nenholland den Hinterteil des Fahr-zeuges einnehmen, und so neugierig auch beide sein und so gern sie sonst vorfremden Thüren kehren mögen, so weiß doch einer nichts von dem anderen undfindet es auch kaum der Mühe wert, darnach zu fragen, während sie alle gernwissen möchten, was dort oben im Monde, in einem andere Schiffe vorgeht,das so weit von uns auf dem großen Ozeane der Welten herumsegelt.

Daß es auf diesem Schiffe ganz anders hergeht als auf dem unseren,daraus folgt noch nicht, daß jene Reisenden weniger glücklich und zufriedensind als wir selbst, da auch sie wahrscheinlich wieder ganz andere Wesen sindals die, welche wir hier unten kennen gelernt haben. Die Natur wird Mittelgenug haben, sie für das, was wir Entbehrungen nennen, reichlich zu ent-schädigen. Ihre Fluren werden durch keinen Regen erquickt, aber dafür auchdurch keinen Hagel zerschlagen. Sie kennen die Morgen- und Abendröte nicht,aber sie wissen auch nichts von Wolken und Platzregen, der ihre Felder über-schwemmt, und nichts von Orkanen, die ihre Wohnungen zerstören. Wenn siekeinen Regenbogen sehen, so sehen sie auch die verheerenden Blitze nicht, soweckt sie das Brüllen des Donners auch nicht aus ihrem Schlafe, in welchen:sie still und friedlich ihre Tage verträumen, während wir die unseren in stetemKampfe mit uns selbst und unseren Umgebungen zubringen. Und währendunseren Freuden nur zu oft Reue und Schmerz folgt, sind ihnen vielleicht beidevöllig unbekannt. Wenn wir, die wir mit einem sehr übel angebrachten Stolzeauf unsern sogenannten Diener und auf die Bewohner desselben herabsehen,wenn wir, wenn die Besten von uns ihr Glück in einem thatenreichen, mitEhre und Schätzen bedeckten Leben suchen und es nicht finden so kümmernsie in ihrer ewigen Ruhe sich nichts um das Schattenbild des Ruhmes undgenießen dafür ein wohl weniger glänzendes, aber dafür auch ein desto reineresund stetigeres Glück und haben keine Ursache, uns um all uuser Drängen undTreiben zu beneiden. Wenn sie die Buchdruckerknnst noch nicht erfunden haben

Littrow, Astronomie. gg