§ 159.
Kometen.
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kraft der Sonne vermehrt worden wäre, so daß also die Sonne wegen jenesMittels ihn näher zu sich ziehen nnd eben dadurch auch seine Geschwindigkeitvermehren oder seine Umlaufszeit vermindern muß. Wenn die Bahn desKometen eine feste, kanalähnliche Bahn wäre, wenn z. B. eine Kugel von Metalloder Elfenbein sich in irgend einer krummen Röhre bewegte, so ist kein Zweifel,daß sie sich in dem leeren Raume dieser Röhre schneller als in einer mit Luft oderWasser gefüllten Röhre bewegen würde, so daß also hier der Widerstand desWassers in der That eine Verzögerung und nicht, wie dort, eine Beschleunigmrgder Geschwindigkeit des Körpers hervorbringen würde. Allein die himmlischenKörper bewegen sich nicht in solchen festen Kanälen, sondern bloß in iinaginärenBahnen, die nachgeben oder sich ändern, sobald irgend eine äußere Kraft aufden Körper einwirkt, welcher in dieser Bahn einhergeht.
Encke's Hypothese wurde übrigens von mehreren Seiten, namentlichvon Bessel entschieden bestrittcn, der seinen oben (§ 157) auseinandergesetztenTheorien gemäß Veränderungen in der elliptischen Bewegung der Kometen durchdie Reaktion der Ausströmungen gegen den Kern erklärt, wonach jene Ver-änderungen nicht in gleicher Weise bei jedem Periheldurchgang erfolgen würden.Die heute gangbarste, von Zöllner aufgestellte Ansicht über die Natur derKometen (siehe unten § 170) läßt diese Himmelskörper aus flüssigen Meteor-massen bestehen, welche bei Annäherung zur Sonne ins Sieden geraten. Danachmüßte auch die Dampfentwicklung in diesen Gestirnen nach dem Perihele sichändern und, wie v. Asten, der nach Encke's Tode die Berechnung diesesKometen in musterhafter Weise fortführte, zuerst hervorhob, je nach den zeit-weiligen kalorischen Zuständen der Sonne verschieden ausfallen. In der Thatlassen v. Asten's Rechnungen eher unregelmäßige Aenderungen der Umlaufszeitals eine regelmäßige Verkürzung derselben vermuten; es ist daher noch keines-wegs als erwiesen zu betrachten, daß die Unregelmäßigkeiten in der Bewegungdieses Kometen vom widerstehenden Mittel herrühren.
§ 159. (Komet Biela.) Nicht minder interessant ist der Komet, welchen Biela,ein österreichischer Offizier, mn 28. Februar 1826 zu Josephstadt in Böhmen entdeckt und von dein er auch zuerst die Umlaufszeit zu 6 Jahren und 270 Tagenangegeben hat. Von Morstadt aus die mögliche, nachher bestätigte Identitätder Kometen von 1806 und 1772 und die daraus folgende Wiederkehr für 1826aufmerksam gemacht, hatte Biela diesen Himmelskörper vorsätzlich gesucht.Gambart hatte ganz zufällig das Gestirn schon einige Tage früher aufge-funden. Die halbe große Achse der Bahn dieses Kometen betrug damals 36nnd die halbe kleine 2-4 Halbmesser der Erdbahn. Die Exzentrizität seinerBahn war der 0'75 Theil seiner Halbachse, so daß seine größte Entfernungvon der Sonne 6'3 und seine kleinste 0'9 Halbmesser der Erdbahn betrug.Die Neigung seiner Bahn gegen die Ekliptik war 14, die Länge seines auf-steigenden Knotens 251 und die seines Perihels 110 Grad. Er erschien als
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