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Sternschnuppen.
2. Abt. Kap. XIV.
schwinden, haben von je her die Aufmerksamkeit anf diese Erscheinung gelenkt.Es darf uns daher nicht befremden, daß wir dieses schöne Phänomen bereitsin den ältesten Dichtnitgen und Sagen erwähnt finden. So wird beispiels-weise schon in der Jliade (IV. 74) die Schnelligkeit, mit welcher die Götteraus ihren himmlischen Höhen auf die Erde niedersteigen, mit der einer Stern-schnuppe verglichen. Ebenso vereinigt nicht minder poetisch als schön der nor-dische Mythus das Geschick des Menschen mit den fallenden Sternen. Wer-peja, die Spinnerin, beginnt den Schicksalsfaden des neugeborenen Kindesam Himmel zu spinnen, und jeder Faden endet in einen Stern. Naht nunder Tod des Menschen, so reißt sein Faden, und erbleichend fällt sein Sternznr Erde nieder.
Die scheinbare Größe oder, richtiger gesagt, die Helligkeit der Stern-schnuppen ist sehr verschieden. Von den kleinsten, mit freiem Auge eben nochsichtbaren findet man durch jede Größenabstnfung heller werdende, bis sie nichtnur Jupiter und Venus, die schönsten Gestirne des Firmamentes, an Glanzüberstrahlen, sondern sogar bisweilen eine Leuchtkraft entwickeln, vor der dieSterne erbleichen. Doch pflegt man nur die kleineren Erscheinungen dieser Art„Sternschnuppen" oder „Meteore" zu nennen und nach Sterngrößen von der6. bis zur I. zu ordnen, während matt die helleren Sternschnuppen, vonJupiter - oder Bennsgröße angefangen, mit dem Namen „Feuerkugeln" oder„Boliden" auszeichnet. Uebrigens sind die mit freiem Auge eben noch sicht-baren Sternschnuppen keineswegs die kleinsten, die es gibt. Man bemerkt imFernrohre häufig auch solche, welche in der Helligkeit eines Sternes 9. bis10. Größe oder auch eines noch kleineren das Gesichtsfeld durchstiegen.
Die Bahn der Sternschnuppen stellt sich in der Regel als Stück einesgrößten Kreises dar, was darauf hinweist, daß das von uns gesehene Bahn-stück von einer geraden Linie nicht merklich abweicht. Indessen besitzen dieBahnen öfters zieinlich auffällige, zuweilen sogar starke Krümmungen; ebensokommen hin und wieder auch wellen- oder schlangenartige Bewegungen vor.Alle diese und ähnliche Erscheinungen sind leicht erklärlich, wenn man bedenkt,daß sich die Sternschnuppen in unserer Atmosphäre, also in einem widerste-henden Mittel bewegen, und wenn man die an und ftir sich sehr wahrschein-liche Annahme macht, daß sie nicht immer genau sphärische Körper seien; denndann müssen sie bei ihrer Bewegung in unseren: Luftkreise unter Uinständenalle jene sonderbaren Kurven beschreiben, welche uns beim Buinerang, denProjektilen gezogener Geschütze u. s. w. auffallen.
Die Dauer der Sichtbarkeit der Sternschnuppen ist stets eine sehr geringe,indem sie meistens bloß Bruchteile einer Sekunde beträgt und 3 bis 4 Sekundennur ganz ausnahmsweise erreicht oder gar übersteigt. Indessen ist mit dem Ver-schwinden der eigentlichen Sternschnuppe oder Feuerkugel das Phänomen häufignoch nicht abgeschlossen; es lassen nämlich die helleren Gebilde dieser Art nicht