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Littrow. Wunder des Himmels oder gemeinfassliche Darstellung des Weltsystems / J. J. von Littrow ; nach den neuesten Fortschritten der Wissenschaft bearbeitet von Edmund Weiss
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§ 174. Sternschnuppen. 679

es nicht mehr als ein Zeichen des Wohlwollens, sondern vielmehr als einesdes Zornes der Gottheit ansah. So erwähnten schon Livius , noch mehr aberTacitus unter den Vorzeichen für Unglück fast stets eines Steinregens, und diedarauf folgende Zeit der Völkerwanderung war nicht geeignet, die düstere An-schauung, die sich einmal festgesetzt hatte, zu entwurzeln. Als dann am Endedes Mittelalters die Osmanen anfingen, furchtbar zu werden, benütztc manNiederfalle von Steinen, die Christenheit zum Kampfe gegen ihren Erbfeind zuentflammen. Dies geschah z. B., als am 7. November 1492 gegen Mittagbei EnsiSheim im Oberelfaß ein ungefähr 150 Kilogramm schwerer Stein nieder-fiel, von dem durch die Fürsorge Kaiser Ma.rimilian's I. noch jetzt Bruchstückeerhalten sind, die ältesten, die wir überhaupt von einem historisch beglaubigtenSteinfalle besitzen.

Trotz so vieler Nachrichten befestigte sich aber merkwürdigerweise unter denPhysikern im Laufe des vorigen Jahrhunderts immer mehr die Meinung, allederartigen Berichte seien weiter nichts als die Ausgeburt einer krankhaftenPhantasie, und es könne ihnen unmöglich wahres zu Grunde liegen, weil dasHerabfallen von Steinen aus der Luft anerkannten Naturgesetzen widerstreite.Ja, man ging leider nach und nach so weit, solche Steine, die man bisherals kostbare Raritäten sorgsam aufbewahrt hatte, wegzuwerfen, um sich durchBehalten derselben nicht lächerlich zu machen! Wohl mögen die Entstellungenund Uebertreibungen in den meisten Berichten von Augenzeugen, die, durchden ausgestandenen Schrecken verwirrt und betäubt, alles mögliche gesehenhaben wollten, den ersten Grund zum Leugnen dieses Phänomenes gegebenhaben; allein man legte dabei doch eine Verblendung und einen Eigendünkelan den Tag, die geradezu unbegreiflich sind, indem man der vorgefaßten Mei-nung zuliebe alle, selbst die beglaubigsten Zeugnisse, ohne sie auch nur einerPrüfung zu würdigen, geradezu für Lügenberichte oder Sinnestäuschungen er-klärte. So sagt Stütz im ersten Bande der ZeitschriftBergbaukunde",nachdem er die Urkunde abgedruckt hat, welche das bischöfliche Konsistoriumzu Agram über den Fall zweier Meteoreisenmasfen zu Hraschina am 26. Mai1751 um 6 Uhr abends aufnehmen ließ, nebenbei gesagt, die erste urkundlicheBeglaubigung eines Aörolithenfalles:daß das Eisen vom Himmel gefallensein soll, mögen der Naturgeschichte Unkundige glauben, mögen wohl imJahre 1751 selbst Deutschlands aufgeklärtere Köpfe bei der damals unter unsherrschenden Ungewißheit in der Naturgeschichte und Physik geglaubt haben;aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahr-scheinlich zu finden." Und als im Jahre 1790 die Munizipalität von Jnillacin der Gascogne eine mit der Unterschrift von mehr als 300 Augenzeugenversehene Urkunde über den Steinfall, der sich dort am 24. Juli abends nach9 Uhr ereignet hatte, der Pariser Akademie einsendete, fand man es sehr er-heiternd, daß man über eine solche Absurdität ein authentisches Protokoll er-