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Allgemeine Schwere.
3. Abt. Kap. I.
selben durch Rechnung über allen Zweifel erhoben hatte. Diese vielleicht zuweit getriebene Vorsicht verwickelte ihn hier, so wie beinahe in allen seinenanderen großen Entdeckuilgen, in lveitlänfige und oft sehr unangenehme Streitig-keiten mit den Rivalen seines Ruhmes. Wenn diese vielleicht nur scheinbareAengstlichkeit aus der Individualität des seltenen Mannes hervorging, so kannsie doch zugleich als ein Beweis seiner höheren Kraft und tieferen Erkenntnißangesehen werden, die selbst da noch Mängcl und Hindernisse erblickt, wo dergewöhnliche gute Kopf nichts mehr sieht und kühn den Sprung wagt, der ihnzum Ziele führen soll. Hätte er aber auch die Richtigkeit jenes Satzes schonfrüher eingesehen, so wußte er doch gewiß damals noch nicht bett umgekehrtenSatz zu beweisen, daß nämlich, wenn die Kraft der Sonne sich verkehrt wiedas Ouadrat der Geschwindigkeit verhält, dann auch die Bahnen der PlanetenEllipsen oder überhaupt krumme Linien der zweiten Ordnung (I. Abt. Kap. 9)sein müssen. Zu jenem gehört nur Differentialrechnung; zu diesem aber ist derJntegralcalcul notwendig, der damals noch kaum geboren >var. Diesem ge-mäß blieb es also noch innncr zweifelhaft, ob nicht auch andere der Sonneiuwohnende Kräfte ebenfalls solche elliptische Bahnen erzeugen können, wiedenn dies auch in der That der Fall ist, da z. B., wenn die Kraft der Sonnesich wie die Entfernitng selbst verhält, also mit ihr im gleichen Verhältnissezu- und abnimmt, diese Bahnen ebenfalls Ellipsen sind, nur mit dem Unter-schiede, daß dann die Sonne nicht in einem der Brennpunkte, sondern in demgeuteinschaftlichen Mittelpunkte dieser Ellipsen ihren Sitz hat. Endlich, wennman auch zugeben wollte, daß die Sache auf theoretischem Wege richtig undvollständig erwiesen sei, so handelt es sich hier nicht sowohl um ein wissen-schaftliches Theorem, mit einen Satz der Schule, sondern um eine, und zwarum eine sehr große tind weit verbreitete Erscheinung der Natur. Dieletztere aber wird nicht durch Spekulationen, sondern dttrch Beobachtungenbefragt, und so sinnreich und kunstvoll auch eine Erklärung sein mag, so istdoch der eigentliche Prüfstein der Wahrheit solcher Hypothesen iininer nur dieUebereinstimmnng derselben mit den Beobachtungen, und an diesem letzten undbesten Beweise innßte es ihin so lange fehlen, als er jenen ersten Versuch mitdem Monde und dem fallenden Steine tticht zu den gelungenen zählen dttrfte.
§ 19. (tsuMidie Entdeckung ieinek Irrthums.) Er ließ also alle weiteren Unter-stlchungcn dieses Gegenstattdcs zutn zweiten Male fallen, da er sie nur alsleere, von den Beobachtungen nicht unterstützte Ideen betrachtete, und er würde sievielleicht nie mehr aufgenommen haben, wenn er nicht volle sechzehn Jahre nachjenein ersten Verstiche durch einen Zufall wieder darauf zurückgeführt worden wäre.
Es war im Juni des Jahres 1682, als er in dem Hause der Akademieztt London unter den früher Angekommenen auf die für diesen Tag angesagteVersammlung wartete. Man sprach hier unter auderein auch von einer neuenGradmessung, die kurz zuvor ein gewisser, damals noch wenig bekannter