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Littrow. Wunder des Himmels oder gemeinfassliche Darstellung des Weltsystems / J. J. von Littrow ; nach den neuesten Fortschritten der Wissenschaft bearbeitet von Edmund Weiss
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i'eotHiditciibc Astronomie.

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§ 5 .

wird auch das erwähnte Verfahren, durch dieses Justrnmeut die Zeit zu be-stimmen, keiner großen Schärfe fähig fein. Aus diesem Grunde war man schonin den älteren Zeiten auf andere Mittel bedacht, die Zeit der Beobachtung,dieses wichtigste Element der gesamten praktischen Astronomie, für jeden Augen-blick mit nrehr Verläßlichkeit zu bestimmen. Das beste Mittel zu diesen: Zweckegab aber dieselbe Veränderlichkeit der Höhe der Gestirne, von welcher wir so ebengesprochen haben. Während des täglichen Umlaufes jedes Sterns mn die Erdekommt derselbe in alle die verschiedenen Höhen, in die er überhaupt, nach derLage seines Parallelkreises gegen den Horizont des Beobachters kommen kann,und so wie zu jeder Zeit nach der Kulmination des Sterns, d. h. wie zu jeden:Stundenwinkel desselben eine bestimmte Höhe gehört, so wird auch umgekehrtjeder gegebenen Höhe ein bestimmter Stundenwinkel, d. h. eine bestimmte Zeitentsprechen, und man wird daher die letzte finden können, wenn die erste durchirgend eine Beobachtung gegeben ist.

Diesem gemäß pflegten die älteren Astronomen in dem Augenblicke einerjeden Beobachtung, z. B. in dein Augenblicke des Anfangs oder des Endeseiner Finsternis, mittelst des oben erwähnten Quadranten die Höhe der Sonneoder irgend eines andern bekannten Gestirns zu messen, woraus sie dann dieZeit jener Beobachtung auf folgende Art ableiteten.

Sei (Fig. 101) 8 die Sonne für den Augenblick jener Beobachtung, derenZeit man bestimmen will; sei ferner 2 das Zenith und X der Nordpol desAequators . Wenn man die Höhe SMder Sonne über dem Horizonte HRbeobachtet hat, so kennt man auch dieZenithdistanz 28 derselben, die nämlichgleich 900 weniger jener Höhe ist. Ebensoist aber auch aus den Sonnentaselnoder aus den astronomischen Epheme-riden die Poldistanz NS der Sonne fürdiesen Tag bekannt, sowie die Pol-höhe IIX des Beobachtnngsortes, diegleich der geographischen Breite des Be-obachters, und überdies auch gleich 90°weniger ZN ist. Man kennt so im sphä-rischen Dreiecke NZS alle drei Seiten

und wird daher, mittelst der bekannten Formeln der sphärischen Trigonometrie,auch den Winkel 2X8 dieses Dreiecks mit aller Schärfe berechnen können.Dieser Winkel ist aber der Stundenwinkel der Sonne, d. h. die gesuchtewahre Sonnenzelt (I, § 139).

Dieses an sich, wie man sieht, sehr einfache Verfahren, für das wir weiterunten noch eine besondere Erleichterung angeben werden, wird etwas zusammen-

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Fig. 101.