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Ueber Massen und Steine, die aus dem Monde auf die Erde gefallen sind / von Ferdinand Adolph Freiherr von Ende
Entstehung
Seite
16
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Ich habe kein vollständiges Gemälde der Selenogenie liefern wollen undkönnen, sondern mich begnügen müssen, die Ilauptzüge mit ein paar Strichenanzugeben. Aber schon diese dürftige Skizze verräth deutlich, mit welcher er-staunenden Gewalt und Thätigkeit, vorzüglich ehedem , grosse Kräfte auf demMonde wirksam gew'esen sind, dafs sie noch itzt fortdauern, und überzeugendeBeweise ihres ununterbrochenen Daseyns geben.

Natürlich leitet diese Betrachtung auf den Gedanken : es könne wohl eineheftige Eruption die ausgeworfenen Massen mit einer solchen Kraft fortschleu-dern, dafs sie nicht wieder auf den Mond zurückfallen, sondern unsere Erdeerreichen.

Dieser Gedanke, so kühn und gewagt er beim ersten Anblick auch scheint,hält dennoch eine strenge Prüfung durch Theorie und mathematischen Kal-kül aus.

Es ist hier der Ort nicht, diese Untersuchung vollständig und wissenschaft-lich anzustellen, zu entwickeln und zu beweisen. Sie setzt eine vertraute Be-kanntschaft mit der Lehre des Unendlichen und der hohem Mechanik voraus,und man stöfst, wenn man alle Bedingungen in Erwägung zieht, auf eine krum-me Linie der hohem Ordnung, deren Konstruktion ziemlich verwickelt, schwerund mühsam ist. Ersichtlich wirken mehrere veränderliche, zum Theil nichtgenau bekannte Kräfte auf den geworfenen Körper, die sich in ganz verschie-denen Richtungen äussern, und die daher nicht ohne Mühe und Weiiläuftig-keit erforscht, zerlegt und geordnet werden können.

Allein ein so strenges, blos wissenschaftliches Verfahren, ist nach meinemErmessen hier nicht durchaus nothwendig, um überhaupt im Allgemeinen dieMöglichkeit der Sache einzusehen und zu beurtheilen. Man reicht vielmehrmit einem ungefähren Ueberschlag nach allgemein bekannten Grundsätzen zu,ohne dafs man die Lehren des Unendlichen und der hohem Mechanik zu Hülfezu rufen braucht.

Allgemein läfst sich die Sache ohne Anwendung der Analyse, wie ich glau-be, auf eine fafsliche Weise also darstellen.

Allen vulkanischen Ausbrüchen geht eine innere Gährung voraus, die, wiedie Erfahrung lehrt , die im Vulkan befindlichen Massen gegen die Mündungseines Kraters treibt, und wenn sie stark genug ist, solche auswirft, und in ver-tikaler Richtung in die Höhe schleudert.