Anfänge der Kunst. Ornamentik. 41
Eine andre Quelle der Freude am Schmuck erkennen wir auch bei uns, wenn derJäger mit einer Jagdtrvphäe, der Soldat mit einem tapfer erkämpften Ehrenzeichengeziert einhergehen; der Schmuck ist eine Auszeichnung, die man'andern zur Schau stellt,ob er nun aus Haaren und Zähnen erschlagener Feinde oder erlegten Wildes hergestelltist, oder ob er bloß seiner Seltenheit wegen wertvoll ist und den Neid' und die Be-wunderung andrer weckt. Daß bei den meisten Naturvölkern ästhetische Beweggründewirklich erst in zweiter Linie in Betracht kommen oder sich aus andern erst entwickeln,erkennt man leicht, wenn man beobachtet, wie die schönsten, zum Putz geeignetsten Dinge
launenhaft verschmäht und dafür andre, möglichst seltene oder sonst merkwürdige bevor-zugt werden.
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4«. Schiffsschnabel aus Neuseeland (im Museum fllr Völkerkunde in Berlin ».
Wie der Schmuck des Körpers, so sind auch die Ornamente, mit denen der Menschseine Gerätschaften verziert, teilweise aus natürlichen Anregungen entstanden. Besondersdie Flechtknnst, die ganz von selbst zur wiederholten Anwendung bestimmter Motivezivil,gt, hat auch auf die Ornamentik andrer Stoffe eingewirkt, am unmittelbarsten aufdie der Topfwaren, die ja ursprünglich in Flechtwerken geformt und gebrannt wordensind. Gerade bei der Töpferei stellte sich nun leicht eine andre Art der Verzierung ein;wenn man statt der häßlichen zufälligen Abdrücke des Fingers oder der zum Formenverwendeten Geräte reget,näßige Vertiefungen und Striche anbrachte, erhielt man eingefälliges Ornament — jede Figur irgendwelcher Art kann ja dazu werden, wenn siesich nur rhythmisch wiederholt. Wie auf diese Weise bei der Holzschnitzerei, beim Be-harren des Steines oder beim Schmieden der Metalle besondere Arten von Ornamentenentstehen konnten, ist leicht zu erkennen. r ^ cn t
Indessen bereichert sich die Ornamentik, wie sich beim Studium der Kunst der Natur-völker immer klarer herausstellt, vorwiegend aus einer andern Quelle; wir finden überalldas Bestreben, natürliche Gegenstände treu nachzubilden, zunächst den Menschen selbst,dann die Tiere, zuletzt erst die Pflanzen und die Landschaft. Sobald man nun derartigeFiguren znm Verzieren von Geräten verwandte, sie in größerer Anzahl nebeneinanderanordnete, verloren sie, einem merkwürdigen Gesetze der Entwickelung folgend, mehr undmehr ihre eigentliche Gestalt, wurden vereinfacht, schematisch aufgefaßt, oder, wie es mitDas Buch der Erfind. I. 6