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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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Einleitung: Entwickelungsgang der Menschheit.

Dialekt redete, und zahlreiche Bildwerke beweisen, daß es sich auch körperlich scharf vonden Semiten unterschied. Die Sumerier, wie wir diese alten Bewohner am besten zu-sammenfassend nennen, gehörten der turktatarischen, im weiteren Sinne der mongolischen Gruppe der Menschheit an, waren also entfernte Verwandte der Chinesen. Ob und wieweit jedoch ihre Kultur mit der chinesischen zusammenhängt, wie ferner die merkwürdigenParallelen zur altägyptischen Kultur zu erklären sind, ist noch völlig ungewiß.

Überraschend weit lassen uns die Funde zurückblicken, die aus den TrümmerhügelnBabyloniens in neuerer Zeit zu Tage gefördert worden sind; bis auf das Jahr 4500 v. Chr.scheint die älteste Inschrift König Urghannas zurückzuführen. Aber schon in dieser entlegenenPeriode ist die Kultur hoch entwickelt, man kennt die Schrift, baut Häuser aus Backsteinund benutzt eherne Geräte. Aus noch älterer Zeit müssen die inschriftlosen Siegelcylinderstammen, die uns in ihren bildlichen Symbolen die Anfänge der Keilschrift erkennen lassenund besonders zahlreich in Sirgulla, vielleicht dem ältesten bedeutenden Kultursitze Süd-babyloniens, gefunden worden sind. Der Süden des Landes ist überhaupt früher kultiviertworden als der Norden.

Im Norden zeigt sich früh der semitische Einfluß auf die sumerische Kultur. Wiees scheint, sind die babylonischen Semiten in das nunmehr wohnliche Land als Hirten ein-gewandert, haben aber rasch durch Verbreitung einer veredelten Religion und als Priesterdieses neuen Glaubens Einfluß gewonnen, bis sie die Herrschaft völlig an sich zu reißenvermochten. Wie dann die rohen Bergvölker des westlichen Iran sich zeitweilig der Herr-schaft bemächtigten, wie Assyrien aufblühte und mit seiner Eroberungspolitik ganz Vorder-asien erschütterte, bis endlich die alten Kulturländer am Euphrat und Tigris dem Ansturmder Perser unterlagen, soll hier nicht ausführlich erzählt werden. Langsam, aber unauf-haltsam geht schließlich die alte Kultur zu Grunde. Im Laufe der Zeit verödet das Landmehr und mehr, die Ufermauern zerfallen, die Kanäle füllen sich mit Schlamm und dasWasser der Ströme verbreitet sich unaufgehalten über das unglückliche Land. Unmerklich wiedie Kultur verschwinden auch die Bewohner, niemand kann sagen wohin, und Babylonien ist heute nichts mehr als das weite Grab einer einst blühenden Gesittung und fleißiger Völker.

Man kann behaupten, daß eine wirkliche Kenntnis der babylonischen Kultur erstdurch die neueren Ausgrabungen und durch die Entzifferung der Keilschrift ermöglichtworden ist. Zum Glück pflegte man in Babylonien nicht auf vergängliche Stoffe zuschreiben, sondern auf feuchte Thonplatten; wenn diese Thonplatten, -cylinder oder-Prismen dann gebrannt wurden, so erhielt man die dauerhaftesten Bücher der Welt, diezum Teil nach Jahrtausenden noch in völlig wohlerhaltenem Zustand wieder zu Tage ge-fördert worden sind

Unter den Schriftstücken fallen zunächst die Inschriften in die Augen, in Babylonien meist einfachen Inhaltes, in Assyrien (s.Abb. 56) prunkend, von Siegen und Zerstörungenerzählend, ohne, wie es scheint, der Wahrheit immer sonderlich treu zu bleiben. Beiweitem interessanter sind die lyrischen und epischen Dichtungen, deren Entwickelung ausZauberformeln zur Abwehr böser Dämonen wir deutlich verfolgen können; die Form derDichtungen ist der einfache Parallelismus. Mit dem Eindringen semitischen Geistes erhältdie Religion einen höheren Aufschwung, und es entstehen Hymnen, die ihre Verwandt-schaft mit den Psalmen der Bibel nicht verleugnen, ja ihnen vielleicht unmittelbar alsVorbilder gedient haben. Eine Sammlung kleiner Sprüche und Lieder ist von hohempoetischen Werte, nicht minder die Epen, die fast durchweg mythologische Stoffe behandeln.Jedenfalls hat die Dichtung der Babylonier edlere Früchte gezeitigt als die der Ägypteroder der Chinesen.

Es wurde schon erwähnt, daß die primitive Religion der Sumerier von den Semitenbereichert und umgebildet worden ist. Was die alten Sumerier von religiösen Begriffennach Babylonien mitbrachten, war nicht viel mehr als ein roher Schamanismus, der inder Abwehr dämonischer Krankheitsgeister seine Hauptaufgabe sah; durch die Semiten wurdeein reicher Olymp von Licht- und Planetengöttern hinzugefügt. Die größte Aufmerksamkeitaber haben die mythologischen Erzählungen der Babylonier erweckt, unter denen dasJzdubar-Epos mit seiner Schilderung der Sintflut und der Heldenthaten Jzdubars,