Älteste Kultur der Neuen Welt: Mexiko und Peru . 61
Wettbewerb init den Erzeugnissen der Keramik treten konnten, ein blühendes Kunstgewerbeentwickelt. Viele Peruanische Urnen mit ihrer geschmackvollen Form, ihrer eigenartigenBemalung erinnern an Muster des klassischen Altertums. Auch die Flechtkunst hat, wiees scheint, in Amerika den Schritt zur Weberei vollführt, ohne daß eine Anregung vonaußen gekommen wäre. Bewundernswert sind endlich die Werke der Baukunst, die selbstin ihrer Form oft an die Baudenkmäler Ägyptens und Babylvniens erinnern; der Pyra-midenbau, wenn auch durch lokale Eigentümlichkeiten unterschieden, findet sich hier wie dort.
Die sozialen Zustände von Mexiko und Peru waren sehr ungleich gem: e. ^nMexiko hat sich das Eroberervolk der Azteken zum Herrn über em älteres Kulturvolkaufgeworfen, vieles von den Unterjochten gelernt, aber seine kriegerische Tuch ig ei mchverloren, ja sie durch eine unglaublich blutdürstige Religion, durch Menschensch ach er render unerhörtesten Art, noch zu stärken versucht; ein ganz einheitliches Reich is " lHochebene von Mexiko überhaupt nicht entstanden. Peru macht dagegen en i ,als ob hier das Volk auf einer gewissen Stufe der Entwickelung stehen ge ee e ,
die Familie als selbständige Bildung tritt völlig zurück, es herrscht eine Art Kommunismus,und wie ein solcher Zustand den Charakter eines Volkes beeinflußt, läßt sich vielleichtnirgends besser erkennen als in Peru . Der einzelne fühlt in sich keinen Ansporn, sichauszuzeichnen oder seinen Besitz zu vermehren, das Volk ist unter dem Drucke der Verhält-nisse arbeitsam, aber von sklavischer Gesinnung. So erklärt es sich, daß das Volk vonMexiko mit verzweifeltem Mute den Spaniern widerstand, während Peru m demselbenMomente zusammenbrach, als sein vergöttertes Haupt, der Inka , den spanischen Schwerternerlag. Zu Grunde gegangen sind die amerikanischen Kulturen sämtlich, und was an ihreStelle getreten ist, vermag sie nicht zu ersetzen — die Indianer haben sich der europäischen Kultur nicht angepaßt, die ihrem Denken und Fühlen zu schreiend widerspricht, die Europäersind unter dem Einfluß des Klimas und der Mischung mit den Ureinwohnern entartet
Wenden wir uns nach Europa zurück! Bei der Besprechung der urgeschichtlichen Funde,die ja naturgemäß größtenteils aus Europa stammen, haben wir die vorgeschichtliche Kulturdes Erdteils wenigstens in ihren Umrissen kennen gelernt; die Betrachtung der alten Kultur-völker ließ uns erkennen, aus welchen Quellen sich der Schatz der europäischen Kultur be-reichert hat, bis er selbst begann, reichliche Zinsen zu tragen. Die Träger der europäischen Gesittung sind die arischen Völker — aber ist diese Bezeichnung selbst so völlig klar.
Sicher ist nur das eine, daß eine Anzahl sehr verschiedener Vvlkselemente gegen-wärtig durch die Sprache zu einem Ganzen vereinigt wird, daß besonders in Ost- und