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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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84 Kunststeine.

Ohio bis zu 1:10 vorkommen, verwendet man, um dem Pferdehuf einen besseren Haltzu geben, Steine, die an der einen Langseite eine Aussparung haben. Doch nicht nurfür den Fahrdamm, sondern auch für die Seitenwege hat das Ziegelpflaster in Amerika weite Verbreitung gefunden. Es gelten hierfür dieselben Grundsätze wie für Straßen-pflaster, doch legt man gemäß der geringeren Belastung die Ziegel nur als Flachschicht,die Fugen normal oder diagonal zur Straßenrichtung.

Die Preise sür das Pflaster schwanken einschließlich der Erd- und Betonierungs-arbeiten zwischen 2,is und 2,s? Dollar per Quadratyard (d. i. 10,e —11,4 Mark perQuadratmeter).

Nächst Amerika hat das Ziegelpflaster in Holland die weiteste Verbreitung gefunden.In Ungarn ist in neuerer Zeit „Keramit", gleichfalls gebrannter Thonstein, zur Straßen-pflasterung erfolgreich angewendet worden. In Deutschland hat Ziegelpflaster eigentlichnur in Schleswig-Holstein und in Oldenburg in nennenswertem Umfange Anwendunggefunden. Dafür hat man in Deutschland versucht, in anderer Weise Ersatz für dieteuren Pflastersteine vulkanischen Ursprunges zu finden.

Die Neuzeit stellt hohe Anforderungen an Geräuschlosigkeit und Sauberkeit desStraßenpflasters. Das aus zerschlagenen Findlingen, den erratischen Blöcken der Eiszeit,hergestellte Kopfsteinpflaster, mit welchem früher in der norddeutschen Tiefebene diemeisten Städte, auch Berlin , fast durchweg gepflastert wurden, genügt heute kaum nochden kleinsten Landstädten. Ein regelmäßiges Würfelpflaster aber, wie es unsere schlesischen,sächsischen und bayrischen Steinbrüche und namentlich die unerschöpflichen Granit-brüche Schwedens liefern, ist kostspielig und nicht überall verwendbar, weil es beigeringerem Straßenverkehr nicht ausreichend ausgenutzt werden kann. Daher erscheintdas Streben nach einem billigen Ersatzmaterial erklärlich, von dem besonders in großenStädten neben der Haltbarkeit vorwiegend Geräuschlosigkeit und Sauberkeit gefordertwird. Beide Eigenschaften besitzt sowohl das Asphaltpflaster wie das Holzpflaster inhöherem oder geringerem Grade; da wir hier aber nur die künstlichen Steine besprechen,können diese Pflasterarten Übergängen werden, und wir wenden uns dem Zement-Betonpflaster zu. Zement-Betonpflaster ist in Deutschland für Straßenbahnen bishernoch wenig in Anwendung gekommen, während in den Großstädten Amerikas derartigePflasterungen für Bürgersteige und Fahrbahnen in sehr großer Masse und mit be-deutendem Erfolge Verwendung gefunden haben. Mit der Herstellung der Zement-Bürgersteige beschäftigen sich in den amerikanischen großen Städten eine ganze Reihevon Unternehmern (Oontraotois), die zumeist deutschen Portland-Zement verarbeitenund es darin zu großer Fertigkeit gebracht haben. Ein solcher Bürgersteig wird inkürzester Zeit tadellos fertiggestellt und erhält sich auf viele Jahre unverändert, wasin Anbetracht des zuweilen sehr schroffen Temperaturwechsels besonders anerkanntwerden muß.

Wo keine Keller unter dem Bürgersteig liegen, wird der Beton einfach mit Sandfestgestampft. Man mischt zuerst 1 Teil Zement mit 2 Teilen feinem Sand trocken,näßt dann den Steinschlag an und setzt so viel zu, daß noch genügender Überschuß anweichem Mörtel bleibt. Das Verhältnis Sandmörtel zu Steinschlag stellt sich dann un-gefähr auf 1: 7—8. Als Steinschlag werden kleine Granit- oder Kalksteinsplitter bevor-zugt. Als Deckschicht wird eine Mischung aus 1 Teil Zement und 1 — 2 Teil Sand ver-wendet und mit Hilfe einer quergelegten Latte der Steig stückweise fertig gemacht. Nachdemdie eine Platte erhärtet ist, wird das nächste Stück angesetzt und die Fuge mit Sand oderAsphalt ausgefüllt. Auf diese Weise werden die Platten niemals rissig. Ein solcherBürgersteig kostet in Chicago für 1 qm 1 ,so—1,eo Doll., ist also sehr billig, bequem zubegehen und außerordentlich reinlich, da sich niemals Höhlungen ausschleifen. Der Bord-stein wird zumeist aus Sandstein oder ebenfalls aus Zementkonkret hergestellt, er leitetin seiner Kehle das Wasser gut ab und hat keine Fuge, in welche das ablaufende Wassereindringen und in der der Straßenkot sich festsetzen könnte. Erst seit einigen Jahrenwerden in Deutschland mit einem ähnlichen Pflastermaterial Versuche gemacht, die, soweitsich bis jetzt übersehen läßt, von Erfolg gekrönt sind.