146
Die Thonwarenmdustrie: Herstellung der Thonwaren.
II. Dichte Htzonrvaren.
Zu den Thonwaren mit dichtem Scherben, deren vornehmstes Erzeugnis das weißePorzellan ist, gehören außer diesem einige Erzeugnisse mit farbigem oder nicht ganzweißem Scherben, wie die Platten nach Mettlacher Art, die Klinker und das Stein-zeug; die Mettlacher Platten und die Klinker sind unglasiert, das Steinzeug dagegenist glasiert.
Die Mettlacher Platten werden aus außerordentlich fetten, ziemlich feuerfesten,weißlichgrau brennenden plastischen Thonen, welchen man zur Erzielung farbiger Nuancenentweder Metalloxyde oder farbig brennende Thone zusetzt, hergestellt. Zuweilen ist eserforderlich, Feldspat oder Quarzsand oder weißbrennenden Kaolin als Magerungsmittelzuzugeben, besonders letzteren dann, wenn sich der plastische Thon nicht genügend weißbrennt, was zur Erzielung anderer reiner Färbungen immer erforderlich ist. DieMettlacher Platten, welche auf einer minderwertigen Grundmasse die betreffende farbigeOberflächenschicht nur in einer Dicke von 2—3 nun haben, werden vermittelst hydraulischerPressen, wie sie z. B. von Laeis in Trier in vorzüglicher Güte gebaut werden, aus vorhergetrocknetem Thonpulver angefertigt. Zu diesem Zwecke werden die betreffenden Massenvorher getrocknet, gepulvert und nun mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 6—8 °/y Wasser(in klammfeuchtem Zustande) einem Drucke bis zu 250 Atmosphären ausgesetzt. DasFliesenmuster wird mittels Zinkschablonen aufgetragen, indem man die verschiedenfarbigenThonpulver in die durch Zinkblechstreifen getrennten Felder einträgt. Jedes der be-treffenden Mädchen hat nur ein Stück Blech, genau von der Größe der Oberfläche der
Form, in welches Öffnungeneingeschnitten sind, die denFiguren seiner Farben ent-sprechen; dasjenige, welchesdas schwarze Thonpulver hat,wird also ein solches vomAussehen der Abb. 169, dasmit dem roten Thonpul-ver ein solches vom Aus-sehen der Abb. 170 haben. Nach dem Pressen und Brennen zeigt dann die Fliese dasMuster von Abb. 171, wobei die schraffierten Teile rot, die vollgeschwärzten Teile schwarzzu denken sind. In neuerer Zeit ist man auf das Einfüllen der Farben auf maschinellemWege wegen der damit verbundenen billigeren Arbeitsweise aus und versucht die Hand-arbeit auch hier durch Maschinenarbeit zu ersetzen.
Damit die 2 — 3 nun starke Überschicht beim Brennen nicht reißt, muß ihreSchwindung mit der Grundmasse genau übereinstimmen, was durch mehr oder mindergroßen Zusatz von gebrannter Masse in Form von feinerem oder gröberem Pulvererreicht wird.
Zum Brennen der Platten werden Mendheimsche Kammeröfen (mit Generatorgas)oder den Steingut- und Porzellanöfen ähnliche Konstruktionen verwendet. (Vergl. dieAbbildungen der Porzellanöfen.)
Die Straßenklinker sind Steine von meist dunkelgelber, brauner oder schwarzerFarbe und ähnlichem Format wie die gewöhnlichen Ziegelsteine, deren Herstellung aufähnliche Weise durch Naßpressung, in Amerika jedoch vorzugsweise durch Trockenpressung,wie bei den Mettlacher Platten, geschieht. Als Bindethon verwendet man kalkfreieeisenschüssige Lehme mit 6 —10 Eisenoxydgehalt, die früh sintern, aber erst beihöheren Temperaturen schmelzen. Durch Zusatz von gebranntem und rohem feuer-festeren Thon, Kaolin, Chamottepulver oder dergleichen wird ihre Standfestigkeit währenddes Brennens erhöht. Die Klinker werden am besten in Einzelöfen gebrannt und nachBeendigung des Brandes möglichst langsam erkalten gelassen, wodurch ihre Zähigkeiterhöht wird. In Deutschland werden Klinker von vorzüglicher Qualität in Oldenburg hergestellt.
169 . 170 . 171 .
169 — 171 . Herstellung Mettlacher Matten.