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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Dichte Thonwaren: Steinzeng. Porzellan. Hartporzellan.

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2. Porzellan.

Hartporzellan. Gehen wir zur Herstellung des Porzellans aus seinen Roh-materialien über, so haben wir im wesentlichen wieder dieselben Vornahmen zu beachten,die wir schon bei den gemeinen Thonwaren-Erzeugnissen kennen gelernt haben, nur daßwegen des größeren Wertes des Porzellans die Auswahl der Rohstoffe, die Aufbereitungund die Behandlung derselben eine ungleich sorgfältigere ist. Das Porzellan wird imwesentlichen aus Kaolin und Feldspat unter Zusatz von Quarz hergestellt. Der Kaolin,welcher in fast allen Ländern der Erde vorkommt und welcher in seiner reinsten Form,wie wir schon weiter oben gesehen haben, das Endprodukt der Verwitterung der feldspat -führenden Granite, Syenite, Porphyre oder des Gneis ist, entspricht als solcher derchemischen Formel: Og - 2 81Oz - 22z 0. Dieser Stoff, welcher auf 1 Molekül Thon-

erde, 2 Moleküle Kieselsäure und 2 Moleküle Wasser enthält und in der Technik mit„Thonsubstanz" bezeichnet wird, besteht in 100 Teilen ans:

39 , 770/0 ^i,Og (Thonerde),

46,38 "/o 810° (Kieselsäure),

13,so °/o 2^6 (Wasser)

Meistens findet sich der Kaolin aber nicht in solcher Reinheit, sondern enthält noch unver-witterte Bestandteile (Feldspat, Glimmer) oder eingeschlämmte Mineralien (Quarz, Schwefel-kies u. a. m.), die vor seiner Verarbeitung zu Porzellan durch Schlämmen entfernt werdenmüssen, falls sie nicht in so feinverteilten, feinkörnigen Mengen im Kaolin enthalten sind,daß sie beim Reiben zwischen den Fingern gänzlich unfühlbar sind. Der hauptsächlich dieSchmelzbarkeit befördernde Teil der Porzellanmasse ist der Feldspat (engl. §slä8par, daskstünt-ss der Chinesen), ein Mineral, das in verschiedenen Varietäten in der Naturvorkommt und durch ausgezeichnete Krystallisierbarkeit und Spaltbarkeit charakterisiert ist.Chemisch ist der Feldspat ein Thonerde-Alkali-Silikat von der molekularen Zusammen-setzung:

^2 Og - Lz 0 6 81Oz oder L.1.Z Og . 3 810.2 Lz 0.2 81 Oz.

Das Kali im Feldspat kann ganz oder teilweise durch andere Basen: Natron, Kalk, Magnesiaoder Baryt ersetzt sein; den Kalifeldspat nennt man: Orthoklas, den Natronfeldspat: Albit,den Kalkfeldspat: Anorthit, die Zwischenglieder zwischen Natron- und Kalkfeldspat heißen:Oligoklas, Andesin, Labradorit. Die Feldspate, welche Gemengteile der wichtigsten Sili-katgesteine sind, wie des Granits, Granulits, Syenits, Gneis, Porphyrs u. s. w., werdendurch die Feuchtigkeit und den Kohlensäuregehalt der Luft unter dem Einfluß von Wärmeund Kälte, wie wir weiter oben gesehen haben, zersetzt, es bilden sich unter Abscheidungvon Kieselsäure wasserlösliche Alkalikarbonate, die mit der Kieselsäure ausgewaschen undfortgeführt werden, und unter Aufnahme von Wasser bleibt das Plastische ThonerdesilikatLlz Oz . 2 810z . 2 2z 0 (Thonsubstanz) zurück. Als dritter Bestandteil kommt zu demKaolin und dem Feldspat der Quarz, welcher in reinster Form als chemisch reine Kiesel-säure in vielen Varietäten als Bergkrystall, Quarz, Sand u. s. w. vorkommt. Quarzund Kaolin sind schwer schmelzbar, der Feldspat ist wesentlich leichtflüssiger.

Der Prozeß der Porzellanbildung im Feuer ist ein vorwiegend chemischer und etwain der Weise zu denken, daß die beim Brennen des Porzellans noch nicht schmelzbareThonsubstanz <Mz Oz - 2 81 Oz - 2 2z 0) durch den ihr zugesetzten, feinverteilten, sehr frühschmelzenden Feldspat verkittet wird und sich bei der gleichzeitigen Gegenwart von Quarzunter dem Einfluß des Feldspats aus der Thonsubstanz saure alkalihaltige Thonerde-silikate bilden; die Temperatur wird jedoch nicht so hoch getrieben, daß die Silikate zumSchmelzen kommen, sondern gerade nur so lange erhalten und bis zu einer solchen Höhegebracht, daß die Porzellanmasse sich im Zustande beginnender Erweichung befindet. Da-durch wird keine einheitliche chemische Verbindung, sondern nur ein Gemisch verschiedenerSilikate von wechselnder Zusammensetzung erzeugt. Da die in der Regel bleifreieGlasur neben einem größeren Kalkgehalt im wesentlichen aus denselben Rohmaterialienbesteht wie der Scherben, so bildet sich zwischen Scherben und Glasur ein inniger Zu-sammenhang, so daß man auf der Bruchfläche eine Grenzlinie zwischen Glasur und