191
Einteilung der Gläser.
gewisse Kunstthätigkeit erfordern. Hierher gehören: Inkrustationen, Eisglas, Spitzen-,Band- und Fadeuglas, Reguliertes Glas, Millefioriglas (Mosaikglas und Glasperlen).
Wie man in der Keramik von bleihaltigen und bleifreien Glasuren spricht und dieseso in zwei große Gruppen scheidet, so kann man mit demselben Rechte auch die Gläserin zwei große Abteilungen bringen: bleifreie und bleihaltige Gläser. Bleifreie Gläsersind: 1) Hohlglas, wozu gezählt werden: a) ordinäres Hohlglas (Alkalikalksilikate mit ver-schiedenem Gehalt an Thonerde und Eisen): Flaschengläser und gewöhnliche Hohlglaswaren.d) Halbweißes Hohlglas (mit verschiedenem Gehalt an Thonerde und geringerem Eisen-gehalt): Mittelfeine Gläser, Arzneiflaschen, o) Weißes Hohlglas (möglichst wenig Eisen-gehalt): Deutsches und französisches Kronglas, böhmisches Glas und ä) Farbenglas;dann 2) Fensterglas: weiß und farbig, 3) Spiegelglas. Bleigläser sind Flintglas(Blei- Kalisilikate), optische Gläser, Krystallglas (hoher Bleigehalt); hierher gehören auchdie Borsäuregläser. Bleihaltiges Farbenglas, Straß (beträchtlicher Gehalt an färbendenMetalloxyden) hierzu sind auch die künstlichen Edelsteine zu rechnen. Emaille-Flüsse undMosaiken. Wasserglas (lösliches Kali und Natronsilikat).
Wotzrnateriakien für die Klasfabrikalion und ihre Zubereitung.
Hauptbestandteile der Glasmasse.
Als Rohmaterialien für die Glasfabrikation sind alle diejenigen Stoffe anzusehen,welche die im Glase enthaltenen Hauptbestandteile in möglichster Reinheit liefern. Mankann dabei die wesentlichen Bestandteile und die zufälligen Beimengungen, die nicht mitAbsicht der Glasmasse zugesetzt werden, unterscheiden. Die wesentlichen Hauptbestandteilezur Fabrikation der Gläser sind: Kali, Natron, Kalk, zuweilen Baryt und Zinkoxyd,Bleioxyd und Kieselsäure. Die als Verunreinigungen der anderen Bestandteile in demGlase sich vorfindenden Substanzen sind: Thonerde, Eisenoxyd und Eisenoxydul. Zu denabsichtlich zugesetzten Bestandteilen gehören dann noch für farbige Gläser die färbendenOxyde und die Entfärbungsmittel für farblose Gläser.
Kieselsäure. Der Hauptbestandteil aller Gläser ist die Kieselsäure, eine Verbindungaus 1 Molekül Silicium mit 2 Molekülen Sauerstoff (chemische Formel 8iOg). Diesewacht einen sehr wesentlichen Bestandteil unserer festen Erdrinde aus und findet sich teilsfrei, teils an Basen gebunden. Sie ist im krystallisierten wie im amorphen Zustande bekannt.
In reiner Form ist die amorphe Kieselsäure ein künstliches Produkt, das durch Glühender verschiedenen, wasserhaltigen Kieselsäuren erhalten wird. Sie stellt ein Weißes, sehrleichtes, sich rauh anfühlendes Pulver dar, dessen Härte durch Glühen erhöht wird. Inchemischer Beziehung unterscheidet sich die amorphe Kieselsäure von der krystallisiertendurch ihre Auflöslichkeit in den Lösungen der kaustischen Alkalien; doch nimmt diese umso mehr ab, je höher die Temperatur war, der sie beim Glühen ausgesetzt wurde. Der inder Natur vorkommende Opal ist ebenfalls amorphe Kieselsäure, jedoch mit 3—12 ä-gWasser verbunden. Die Opale werden in der Glasfabrikation nicht benutzt, dagegenverwertet man hin und wieder die dem Opale zuzurechnenden Mineralien, wie Kiesel-sinter, Kieselguhr, Kieseltuff (Infusorienerde); diese finden sich in manchen Gegenden inungeheuren Mengen und sind fast reine, wasserhaltige, amorphe Kieselsäure mit kleinenMengen von Thonerde, Eisenoxyd, Kalk und Alkalien. In weit größerem Maße wirdFlint oder Feuerstein in der Glasfabrikation gebraucht. Dieses Mineral findet sich inder Kreide in Schichten, in denen Knolle au Knolle lagert. Die Farbe des Feuersteinsist grau bis schwarz; der Bruch ist muschelig, schimmernd, mit stark durchscheinendenKanten. Das mit Feuerstein hergestellte Bleikrystallglas führt auch den Namen Flint-glas. — Wie der Quarz, so wird auch der Feuerstein einer Aufbereitung unterworfen,um ihn in ein feineres Pulver überzuführen.
Die krystallinischen Massen der Kieselsäure werden unter dem Namen Quarzzusammengefaßt.
Durch Zertrümmerung der verschiedenen Quarzformen entstehen lose Krystallkörner,welche wir mit Sand und Kies bezeichnen. Ersterer kann nach seiner Abstammung sehr