Band 
Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
Seite
194
JPEG-Download
 

194

Glasindustrie: Rohmaterialien.

aufgegeben werden. Bei der abgebildeten Kugelmühle ist die Trommelwelle auf zwerdurch schmiedeeiserne Ankerstangen gegeneinander versteiften, gußeisernen Böcken gelagert,welche mittels Steinschrauben auf dem Fundament zu befestigen sind. Die Bewegung,erfolgt mittels Riemenbetriebes.

Kalk. Nach der Kieselsäure kommt als Rohstoff zunächst der Kalk in Betracht..Die Kalksalze sind in allen drei Naturreichen sehr verbreitet. Namentlich sind es derkohlensaure und der schwefelsaure Kalk, die ganze Gebirge bilden. Kalksalze finden sichin der Asche von Pflanzen und in tierischen Substanzen, in den Schalen der Schaltiere,,in den Eierschalen, in reichlicher Menge in den Knochen, Knorpeln und anderen Geweben.

Das wichtigste in der Glasfabrikation gebrauchte Kalksalz ist der kohlensaureKalk: OuOOg. Er gehört zu den verbreiterten Körpern der Erdoberfläche, und zwarfindet er sich in zahlreichen Modifikationen und in mehr oder weniger reinem Zustande.Chemisch charakterisiert ist der kohlensaure Kalk durch seine fast absolute Unlöslichkeit inreinem, durch seine Löslichkeit in kohlensäurehaltigem Wasser, wobei der kohlensaure Kalk

in doppeltkohlensauren Kalkübergeführt wird, ferner da-durch, daß er beim Glühenseine Kohlensäure verliertund in Calciumoxyd, 6a 0,übergeht, eine Eigenschaft,auf der das Brennen desKalkes beruht. Bon stärkerenSäuren wird er unter Aus-treibung von Kohlensäure,indem sich das Kalksalz derangewandten Säuren bildet,zersetzt. Die dabei frei wer-dende Kohlensäure brauststark auf, und man erkenntkohlensaure Kalke infolge-dessen leicht. Im Mineral-reiche findet sich der koh-lensaure Kalk sowohl alsKalkspat wie als Ara-gonit niemals in wohlausgebildeten Krystallen.

Vollkommen durchsichtige

und gewöhnlich farblose Krystalle bildet der in Island , früher auch in St. Andreas-berg i.H. gefundene Kalkspat, der zu optischen Zwecken Verwendung findet. Man bezeichnetihn mit „Krystallisierter Doppelspat". — Überhaupt versteht man unter Kalkspat dieVarietäten, während die gleichfalls sehr zahlreichen und höchst wichtigen Formen mitkrystallinisch-faseriger, körniger und dichter Struktur als Faserkalk, Marmor, Kalk-steine u. s. w. unterschieden werden. Die Tropfsteine. Stalaktiten und Stalagmiten,bilden sich, wenn doppeltkohlensaurer Kalk gelöst in fallendem Wasser durch die Deckevon Höhlungen dringt; die Kohlensäure und das Wasser verdunstet, während derkohlensaure Kalk sich niederschlägt und nach und nach die wunderbarsten Formen undGestalten bildet. Ähnlich entstanden sind Kalksinter und Kalktuff. Kreide und Bergmilchsind weiße, erdige, leicht zerbröcklige, amorphe oder kryptokrystallinische Varietäten deskohlensauren Kalkes. Der Aragonit krystallisiert in Formen, welche dem rhombischenSysteme angehören. Er bildet stengelige, parallel- und radialfaserige Aggregate; letzteresind namentlich als Erbsensteine bekannt. Krusten- und Stalakliten-ähnliche Gebilde sindder Sprudelstein und die Eisenblüte. Der kohlensaure Kalk ist ein zweigestaltiger(dimorpher) Körper, und die Verhältnisse der Dimorphie wurden an ihm zuerst näherstudiert. Beide Formen lassen sich auch künstlich hervorbringen; in der Form des Calcits

202. Schieu-ermiihte (Desintegrator- mit anfgektapptem Gehiiusedelket.