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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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224 Glasindustrie.

Anordnung der Häfen ein im Verhältnis zur gewonnenen Glasmenge großer Schmelz-raum erforderlich ist, der eine verhältnismäßig bedeutende Menge Brennstoff verbraucht,und außerdem die Herstellung und Erhaltung der Häfen mit erheblichen Kostenverbunden ist, auch die stets vorkommenden Brüche derselben Verluste an Glasmasseund Arbeit verursachen, so war man schon zeitig darauf bedacht, die Schmelzgefäße größer,dauerhafter und für kontinuierlichen Betrieb geeigneter herzustellen. Nach vielen ver-geblichen Versuchen und Projekten gelang es schließlich ebenfalls Fr. Siemens 1870,einen brauchbaren Wannenofen für kontinuierlichen Betrieb für die Praxis in dieGlasindustrie einzuführen. Damit erst ist diese zur Großindustrie geworden.

Der Siemenssche Wannenofen, ein Flammenofen, der seinen Namen von derwannenartigen Gestalt des Schmelzkörpers hat, entspricht in seinem Wesen dem drei-teiligen Hafenschmelzofen für kontinuierlichen Betrieb. So wie bei diesen sind auch imWannenofen drei gesonderte Abteilungen vorhanden, in welchen das Glas in dünnenLagen erhitzt, geschmolzen, geläutert wird, und dann zur Verarbeitung kommt. Durchdas früher besprochene Kanalsystem wird das Glas vor der Ausarbeitung gekühlt. Fernererzielt man durch diese Kühlung einen großen Vorteil, der viel zur Widerstandsfähigkeitder Wannen beiträgt. Jedes Material, auch das beste, wird nämlich durch die Glasmassemehr oder weniger angegriffen; es entstehen leicht Risse, durch die die flüssige Glasmasseabfließen kann. Dieses Abfließen wird nun ebenfalls durch das erwähnte Kanalsystemverhindert. Sobald nämlich nun ein Riß in der Wanne entsteht, kommt die in dieselbeeindringende flüssige Glasmasse mit kalter Luft in Berührung; sofort erstarrt die Schmelzeund dient somit selbst dazu, den entstandenen Riß zu verstopfen. Wannen, die einigeJahre im Gebrauch sind, erscheinen dann wie glasiert, sie sind mit einer schützenden Glas-masse umgeben, was den Vorteil mit sich bringt, daß die eingentliche Glasmasse gar nichtmit dem thonigen Material der Wanne in Berührung kommt. In dem Horizontalschnittdurch den Wannenofen (Abb. 234) sind die drei Abteilungen deutlich ersichtlich. 8 ist derSchmelzraum, hier wird das Glasgemenge zu Rohglas verschmolzen. ll>ist der Läuterraum,^ der Raum, aus welchem gearbeitet wird. L L sind gas- und luftführende Kanäle,durch welche die Gase vermittelst der Gänge 6iE in das Innere des Ofens treten, wosie zur Verbrennung kommen.

In den folgenden Abbildungen (235 u. 236) ist auch die Verbindung der einzelnen Kam-mern untereinander ersichtlich. Das Gemenge kommt durch die Öffnungen in den Schmelz-raum; im weiteren steigt nun das Rohglas durch die Kanäle a a nach und, indem es überdie Brücke bei I, strömt, in den Läuterraum. Hier erreicht die Glasmasse den höchsten Hitze-grad, da dieselbe durch die eingetragenen Rohmaterialien nicht mehr gekühlt wird. DieGlasmasse wird hier vollständig geläutert und geht dann durch einen Kanal l> nachDer Arbeitsraum wird nicht mehr von den Flammen umspült, die Temperatur ist hieralso geringer; das Glas wird infolgedessen zäher und kann nun durch die Arbeits-löcher oo ausgearbeitet werden. Die Regeneratoren liegen in der Längsrichtung desOfens. Die Ausströmungsöffnungen der spezifisch schwereren Luft liegen höher als diedes Gasstromes, damit eine ordentliche Mischung erreicht wird; sie sind etwas geneigt,damit die Flammen die Wannenflächen besser umspülen. 1' l sind Luftkanäle, die an denSeiten des Arbeitsraumes frische Luft empfangen und in die Kamine münden. DieseÖfen gestatten ein beständiges Arbeiten, nur muß die entsprechende Menge in denSchmelzraum eingetragen werden, welche aus dem Arbeitsraum genommen wird. DerSchmelzraum soll immer eine Schicht von 40—50 om Glas enthalten, wobei dann dasim Arbeitsraum gekühlte Glas 20—30 oin hoch steht.

Die Wannenöfen gebrauchen im Verhältnis weniger Brennmaterial als die Hafen-öfen und sind besonders da geeignet, wo man stets eine und dieselbe Glassorte in größerenMengen herstellt. Infolge ihrer Vorzüge sind sie jetzt sehr in Aufnahme gekommen undwerden noch heute, vielfach verbessert, nicht nur für gewöhnliches Flaschenglas, sondernauch für feines Hohl- und Tafelglas benutzt.

Aus nachfolgenden Zeichnungen (Abb. 237 u. 238) sind einige von Siemens getroffeneAnordnungen ersichtlich. Der Ofen ist besonders durch eine andere Lage der Regeneratoren