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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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254 Glasindustrie.

spönne», wodurch man schließlich eine Masse erhält, die reichlich mit feinen Adern durch-setzt ist. Aus diesen Zapfen werden mit der Pfeife kleine Kölbchen gebildet, die auf-geblasen und zu Splittern zerschlagen, für sich oder mit anderen gemischt zur Verzierungbenutzt werden.

Aventuringlas. Aventuringlas ist ein Glas, das mit metallglänzenden Flitternin verschiedenen Farben durchsetzt ist. Zur Herstellung benutzt man in der Regel nachPettenkofer die Kupferrubinsätze, bei welchen die Bildung der glänzenden Metallflitterdadurch hervorgerufen wird, daß man die reine geschmolzene Glasmasse längere Zeit aufeiner Temperatur erhält, bei welcher das Glas noch zähflüssig ist; oder man setzt nachden Vorschriften von Pettenkofer so viel Eisenflitter hinzu, daß etwa die Hälfte desKupferoxyds reduziert wird. Während des langsamen Abkühlens der Hafenmasse scheidensich winzige Krystallblättchen ab. Behufs langsamen Abkühlens bedeckt man die rein-geschmolzenen Häfen mit einer dichten Aschenschicht und schafft den Hafen nach einem gutgewärmten Kühlofen, dessen Öffnungen sorgfältigst verschmiert werden. Nach etwa vierTagen wird der Hafen herausgenommen und die Glasmasse in Stücke geschlagen und inden Handel gebracht.

Man verarbeitet das Aventuringlas zu Schmuckgegenständen und zur ornamentalenMosaik.

Als Überfangglas wird das Aventuringlas besonders für das schwarze Hyalithglaszu Luxusgegenständen, Schalen, Körbchen, Vasen u.s. w. verarbeitet, und zwar mittelsdes sogenannten Trichter-Überfanges. Man verwendet dann drei Glassorten: das schwarzeHyalithglas als innere Schicht, ein farbloses Glas zum Überfang unb das Aventurin-glaspulver zur Verzierung. Zunächst bildet der Arbeiter aus dem farblosen Glase einKölbchen, aus welchem ein Trichter hergestellt wird, dessen Größe sich nach dem her-zustellenden Gegenstand richtet. Der vorgewärmte Trichter wird dann mit Aventuringlas-pulver im Inneren ordentlich ausgestäubt, während ein anderer Arbeiter einen PostenHyalithglas aufgenommen und geformt hat. Dieser Posten wird nun in den von derPfeife abgesprengten Trichter eingeblasen. Hierauf wird der ganze Posten vorgewärmtund zu dem gewünschten Gegenstand geformt. Die Metallflitter bleiben erhalten, da diese,zwischen zwei Glasschichten eingeschlossen, mit dem direkten Feuer nicht in Berührungkommen.

Regenbogenfarbene Gläser. Die Herstellung dieser Gläser ist den mittelsZapfenglas überfangenen ähnlich; der farbenreiche Glaszapfen wird auf folgende Weisehergestellt. Ein Arbeiter stellt einen farblosen Zapfen her, während ein zweiter farbigeGlaszapfen, Goldrubine, Silber- oder Kadmiumgelb und Dunkelblau an drei Hefteisenheftet und alle erweichen läßt. Nun werden die einzelnen Zapfen auf dem farblosen derLänge nach angeordnet, und zwar so oft es geht abwechselnd. Ist der Kern mit Farben-streifen bedeckt, so werden dieselben etwas seitwärts gedrückt, so daß eine Farbe teilweisedie andere verdeckt. Auf diese Weise entstehen dann die Zwischenfarben Orange, Grünund Violett.

Nun wird der Glasposten angewärmt und zu längeren Zapfen verarbeitet, die zumspäteren Überfang dienen. Das Glas in Regenbogenfarben dient hauptsächlich zur Her-stellung von Luxuswaren und Beleuchtnngsartikeln.

Millefioriglas. Die Millefioriarbeit beruht darauf, daß ein aus Glasstäbenverschiedener Farbe durch Hitze zusammengeschweißter Stab sich im erweichten Zustandeausziehen läßt, ohne daß seine innere auf jedem seiner Abschnitte zu Tage tretende Zeich-nung dadurch verändert wird. Schon im alten Ägypten verstand man auf diese WeiseSchmuckplatten mit farbigen Mustern von zierlichster Zeichnung herzustellen. Von derleiPlatten mit der Darstellung von Blumen (llori) führt dies Verfahren den Namen auchdann, wenn andere Muster als Blumen vorliegen. Im alten Rom ist es zu höhererVollendung als je in späterer Zeit gediehen. Ende des 15. Jahrhunderts gelang denVenetianern die Nacherfindung. Die Herstellung von flachen Bechern, Schalen undSchüsseln in Millesioritechnik erfolgte entweder in der Weise, daß man die nebeneinanderin eine Hohlform gelegten Abschnitte der Glasstäbe erhitzte, bis sie erweichten und an